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Kants Apriori - Teil 2

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Inhalt

Frühe Rettungsversuche gegenüber der Relativitätstheorie

Die Relativitätstheorie erschien gleich nach ihrer Einführung nicht recht kompatibel mit dem kantschen Denksystem zu sein. Frühe Reaktionen von Kantianern hierauf zeigen im Wesentlichen zwei Vorgehensweisen. Meist wurde eine Immunisierungsstrategie angewendet, die darauf hinauslief, dass die kantschen Anschauungsformen "Raum" und "Zeit" mit den durch die Relativitätstheorie beschriebenen Eigenschaften der physikalischen Raum-Zeit als Maßräumen nichts zu tun haben sollen. Beispiele hierfür liefern etwa Paul Natorp1 und Ewald Sellien2. Andere Vertreter des Neukantianismus entwickelten Revisionsstrategien: Einige der Bedingungen der Möglichkeit von Erfahrung seien von Kant voreilig anhand spezieller Voraussetzungen der newtonschen Mechanik interpretiert worden. Diese bräuchten nun lediglich durch andere Bestimmungen ersetzt werden, welche die Einsichten der Relativitätstheorie berücksichtigten. Diese Argumentation verfolgen z.B. Ernst Cassirer3 und der junge Rudolf Carnap4.

Diese Immunisierungs- und Revisionsstrategien werden offenbar auch in jüngerer Zeit noch gelehrt, etwa von Claus Beisbarth5, der sie als kantianische "Verteidigungsmöglichkeiten" allem Anschein nach zustimmend benennt.

Beweis der Idealität des Raumes schlüssig?

Nach Willaschek6 verfügt Kants transzendentaler Idealismus, nach dem alle möglichen Erfahrungsgegenstände bloße Vorstellungen sind, über den in höchstem Maße ausgeprägten Reiz, dass etwas "zunächst extrem Unwahrscheinliches" plötzlich als eine "ernst zu nehmende Möglichkeit erscheint." In der transzendentalen Ästhetik behaupte Kant "hinreichend bewiesen" zu haben, dass es sich beim Raum um eine Form spezifisch menschlicher Anschauung und nicht um eine Eigenschaft der "Dinge an sich" (also der realen Außenwelt) handeln müsse. Kant werde nun häufig entgegengehalten, dass er die Möglichkeit übersehen habe, dass Raum zwar "Anschauungsform", aber dennoch zugleich eine Eigenschaft der "Dinge an sich" sein könnte7.

Willaschek möchte demgegenüber zeigen, dass Kants Beweis lückenlos und schlüssig sei und allenfalls über seine Prämissen kritisiert werden könne. Bei dem Einwand werde nämlich vernachlässigt, dass Kants vorgängige Begriffsdefinitionen nicht nur nominal, sondern bereits inhaltlich festlegend seien. Der argumentative Zusammenhang der Raumargumente werde nur sichtbar, wenn man die in den Begriffsbestimmungen genannten Merkmale der Raumvorstellung hinzuziehe und die Erörterung der Raumvorstellung nicht auf ihre Hauptthesen reduziere.

Die Idealität des Raumes folge nun zwingend aus der Prämisse, dass die Raumanschauung a priori sei. Die Ursache der Raumanschauung könne nun kein von uns unabhängiger Gegenstand sein, denn gäbe es einen Raum als Eigenschaft der Dinge an sich, so könne er zum Gegenstand einer Anschauung nur dadurch werden, dass er jemandes Sinnlichkeit affiziere, was a posteriori sei. Wenn also die Raumvorstellung eine Anschauung a priori sei, so könne die Frage, ob ihr nicht vielleicht doch etwas an den Dingen an sich entsprechen könne, einfach nicht mehr aufkommen. Kants meistumstrittener Schluss sei demnach, die Richtigkeit der Raumargumente vorausgesetzt, vollkommen gültig.

Es bleibt aber dennoch eine Lücke, denn Kant widerlegt nicht, dass die Raumanschauung ontogenetisch8 a priori, d.h. angeboren, jedoch phylogenetisch9 a posteriori, d.h. evolutionär erworben ist. Neuere Untersuchungen an Babys10 legen sogar nahe, dass die Raumanschauung nicht genetisch fixiert ist, sondern erst gelernt werden muss. So ist offenbar nicht die Raumanschauung angeboren, sondern lediglich die Fähigkeit, die Raumanschauung zu erlernen. Damit stellt sich natürlich die Frage, wie denn eine apriorische (vorempirische und ideale) räumliche Anschauungsform gelernt werden kann, die nach Kant "im Gemüthe a priori bereit liegen"11 müsse.

Die kantsche Philosophie ist vorevolutionär. Der Gedanke, dass sich Lebewesen an eine (subjektunabhängige) Welt anpassen müssen, um zu überleben, ist Kant noch ziemlich fremd, er benutzt hierfür die Formulierung "gewagtes Abenteuer der Vernunft."12 Das Anpassungskonzept ist heute jedoch eine Standardannahme der Evolutionsbiologie. Hierdurch entsteht eine deutliche Spannung zwischen Kantianismus und Biologie, denn Kantianer lehnen die evolutionäre Erkenntnistheorie13 meist ab.

Nachdem Willaschek mit der Bemerkung über den Reiz der ernst zu nehmenden Möglichkeit des zunächst extrem Unwahrscheinlichen Kantianern sicher eine Freude macht, räumt er später ein, dass es eine ganz andere Frage sei, ob "Kants Ausführungen in den Raumargumenten berechtigt [...] und in der Sache verteidigt werden" könnten. Und in einer Fußnote merkt er an, dass es von der Richtigkeit der kantschen Gesamtkonzeption abhinge und es daher fraglich sei, ob sich der Anspruch, die Idealität des Raumes "nicht hypothetisch, sondern apodiktisch bewiesen" (B-XXII) zu haben, aufrechterhalten lasse.

Aufweichung

Kants Apriorismus lässt sich wegen der Ergebnisse der modernen Physik nicht mehr als apodiktisch gültig ansehen. Um die Aktualität Kants zu retten, schlägt Karen Gloy eine abgeschwächte Lesart im Sinne eines formalen Theoriesystems oder eines allgemeinen Strukturmodells vor. So macht Gloy etwa zwei heuristische, regulative Prinzipien aus: Was den Substanzsatz angehe, sei, "wo immer Objektivität auftreten" solle, "der Bezug eines Akzidens auf eine Substanz unumgänglich"14 und das Kausalgesetz bilde nur das inhaltsneutrale Rahmenschema, nach einer Ursache zu suchen, welche immer diese auch sein möge15. Das ursprünglich äußerst ambitionierte kantsche Programm ist hierdurch jedoch auf ein eher übersichtliches Maß zurechtgestutzt.

Der Natur ein System aufoktroyieren?

Des weiteren präsentiert Gloy noch den Gedanken, dass Kant doch schließlich das systematische Experimentieren als Verfahren ausgemacht habe16, mit dessen Hilfe es möglich sei, "unser jeweiliges System der Natur aufzuoktroyieren." Dadurch werde lediglich eine "gestellte, präparierte Natur" untersucht und nicht "eine Natur an sich."17 Hierbei scheint Gloy jedoch zu vergessen, dass sie in ihrem Artikel kurz vorher gezeigt hatte, dass sich der Natur bestimmte experimentelle Ergebnisse gerade nicht vorschreiben lassen, denn sonst hätte es schließlich nicht zu einer experimentellen Widerlegung der newtonschen Physik kommen dürfen. Dass sowohl Theoretisieren als auch Experimentieren menschliche Aktivitäten sind, ist zwar kaum umstritten, erzwingt aber nicht irgendeinen Idealismus. Des weiteren führt prinzipiell auch zufälliges Experimentieren zum Ziel18, solange ein Mechanismus zur Bewertung und Auswahl der Resultate vorliegt, wie dies in der biologischen Evolution der Fall war.

Kants Geometriekonzept retten?

Gloy meint, dass Kants Vorstellungen von Geometrie in einer wenig rigorosen Interpretation noch haltbar seien, denn Kant fordere nur das Nebeneinander, die Unendlichkeit, die Kontinuität sowie sehr allgemeine topologische Eigenschaften, nicht aber irgendein Krümmungsmaß19. Die euklidische Geometrie bilde hier lediglich einen Spezialfall. Ähnlich führt auch Theodor Bröcker20 an21, dass die Beispiele, die Kant im Laufe der "Kritik" für geometrische Sätze bringe, durchweg auch in der hyperbolischen Geometrie22 gälten. Nur an einer Stelle23 bringe Kant ein Beispiel aus der euklidischen Geometrie, nämlich die Winkelsumme im Dreieck, aber - so Bröcker - ersichtlich nicht, um Annahmen der euklidischen Geometrie philosophisch als denknotwendig zu erheben, sondern um das unterschiedliche Verfahren mathematischer und philosophischer Argumentation zu demonstrieren.

  • Es lässt sich jedoch kaum erklären, wie Kant eine apodiktisch geltende newtonsche Physik24 ohne euklidische Geometrie hätte annehmen können, denn die Geometrie der klassischen Mechanik ist schließlich euklidisch25. Damit erscheint es äußerst zweifelhaft, dass Kant bei seinem Raumkonzept tatsächlich auch die (negativ gekrümmte) hyperbolische Geometrie mit im Sinn hatte.

  • Auch Kants Argumentation26 bei der 1. Antimomie27, mit der er beweisen wollte, dass rationale Kosmologie unmöglich ist, spricht nicht dafür, dass Kant alle denkmöglichen Geometrien berücksichtigte. Um zu beweisen, dass die Annahme eines räumlich endlichen Kosmos widersprüchlich ist, braucht Kant nämlich die Voraussetzung, dass aus einer endlichen räumlichen Erstreckung des Kosmos auch dessen räumliche Begrenztheit folgt. Die von Kant stillschweigend gemachte Voraussetzung "endlich = begrenzt", lässt sich aus einer euklidischen Raumstruktur durchaus ableiten, gilt jedoch nicht für einen dreidimensionalen riemannschen Raum mit positiver Krümmung in einem relativistischen Friedmann-Weltmodell28. Ein Lichtstrahl, der dort von einem mitbewegten (frei fallenden) Beobachter ausgesandt wird, gelangt nie an eine Grenze und wird stattdessen bei hinreichend langsamer Raumexpansion wieder zum aussendenden Beobachter zurückkehren - allerdings von der entgegengesetzten Richtung. Der bei Kant hergeleitete Widerspruch tritt in der modernen physikalischen Kosmologie nicht auf, weil für einen Raum mit positiver Krümmung aus der Endlichkeit des Kosmos nicht auf dessen Begrenztheit geschlossen werden kann29. Somit ist klar, dass Kant nicht an die Möglichkeit einer positiven Raumkrümmung dachte. Relevant ist hierbei nicht, ob die riemannsche Geometrie tatsächlich empirisch adäquat ist, sondern nur, dass sie denkmöglich ist und dass Kant dies bei seinem Antinomiebeweis unberücksichtigt ließ.

  • Kants letztes Argument für den Anschauungscharakter des Raums, ist offenbar auch nicht für alle möglichen Geometrien gültig. Denn es setzt (apodiktisch) voraus, dass der Raum eine "unendliche gegebene Größe" 30 ist, was einen endlichen aber unbegrenzten riemannschen Raum ausschließt. Auch die Stelle, bei der Kant die Unmöglichkeit einer Figur anführt, die in zwei geraden Linien eingeschlossen ist31, passt zwar auf die euklidische Geometrie jedoch nicht auf eine Geometrie mit positiver Raumkrümmung, bei der sich zwei Nullgeodäten zwei mal schneiden32 können.

Insgesamt muss man daher wohl davon ausgehen, dass Kant generell die euklidische Geometrie sowohl unterstellt als auch für notwendig gehalten hatte.

Kants Substanzsatz retten?

Kant interpretiert seinen Substanzsatz33 eigentlich sehr deutlich im Sinne einer Massenerhaltung34, die zwar in der newtonschen Physik gilt aber nicht mehr in der Quantenphysik. Die Umrechnung von Masse in Energie über E=mc² war damals schließlich unbekannt. Tetens35 räumt angesichts der Belege zwar ein, dass Kant wohl sicher glaubte, den Massenerhaltungssatz transzendental begründet zu haben. Kant habe jedoch - so Tetens - immerhin den Satz bewiesen, dass wir alle erfahrbaren Veränderungen letztlich auf einen Träger beziehen müssten, der durch Größen charakterisiert sei, die bei allen Veränderungen konstant blieben. Damit geht Tetens weiter als Karen Gloy, die, wenn auf Objekte Bezug genommen werden soll, lediglich den Bezug eines Akzidens auf eine Substanz als regulatives Prinzip für notwendig hält. Tetens nun meint, dass sich "unsere vielen begrenzten Erfahrungen von Ausschnitten der Erfahrungswelt nur dann zur zeitlichen und kontinuierlichen Erfahrung der einen Erfahrungswelt zusammenfassen lassen", wenn der Bezug auf eine Trägersubstanz auch mit Erhaltungssätzen verknüpft sei. Die physikalischen Erhaltungssätze sind kaum umstritten, wohl aber ihre transzendentale Letztbegründung. Es lässt sich nämlich kaum beweisen, dass Erfahrung generell unmöglich würde, wenn nur gelegentlich Anomalien aufträten. So haben sich die physikalischen Erhaltungssätze bislang nur empirisch bewährt.

Kants Kausalitätssatz retten?

Tetens möchte auch das kantsche Kausalitätsprinzip retten, welches dem Einwand des quantenmechanischen Zufalls ausgesetzt ist. Um zu zeigen, dass dennoch alle Veränderungen nach dem Gesetz der Verknüpfung von Ursache und Wirkung geschehen müssen36, führt Tetens das folgende Argument an: "Ohne reproduzierbare relative Häufigkeiten von Effekten auf der Basis deterministisch reproduzierbarer Zustände an makrophysikalischen Objekten gibt es keine objektive physikalische Erfahrung, wie wir sie kennen. Es kann also [...] gar keine Rede davon sein, dass Kants Kausalprinzip und seine transzendentale Begründung durch die Quantenmechanik widerlegt seien."37 Tetens verwechselt hier jedoch Kausalität, d.h. Verursachung, mit gesetzförmigem Verhalten, d.h. einem Muster im Verhalten der Dinge. Wenn wir die Quantenmechanik als vollständig annähmen, wären nämlich ursachenlose Ereignisse denkmöglich, was die transzendentale Begründung für apodiktisch notwendige Zusammenhänge zwischen Ursache und Wirkung widerlegt. In diesem Fall hat nämlich ein Atomkern eine bestimmte mehr oder weniger große Neigung, sich ursachenlos zu verändern, d.h. zu zerfallen. Wann sich eine derartige "Veränderung" ereignet, ist dann rein zufällig. Die für die jeweilige Atomkernsorte spezifische Stärke der Zerfallsneigung, also die Zerfallswahrscheinlichkeit pro Zeiteinheit38, ergibt das gesetzförmige stochastische Verhalten eines größeren Ensembles von Atomkernen. Kurz: Ein ursachenloses aber gesetzmäßiges Verhalten von physikalischen Objekten ist denkmöglich, womit das kantsche Kausalitätsprinzip nicht mehr als notwendig gelten kann. D.h. die (physikalische) Erfahrung kann prinzipiell auch diskontinuierliche und rein zufällige Quantenereignisse mit einschließen.

Rettung durch Ignoranz?

Ab 1915 war die allgemeine Relativitätstheorie verfügbar und um 1919 durch Arthur Eddington bestätigt. Seit 1925 wurde die Quantenmechanik entwickelt. 10 Jahre später um 1935 ging Heidegger aber noch von der Gültigkeit des Beweises der Grundsätze bzw. Prinzipien des Verstandes aus39. Die Grundsätze seien durch dasjenige möglich, was sie selbst ermöglichten. Der Beweis sei ein notwendiger "Kreisgang", der das "Wesen der Erfahrung" ausmache. Dieser "Kreisgang" bzw. logische Zirkel erwies sich aber gerade als nicht beweiskräftig, denn die kantschen Verstandesgrundsätze sind allesamt zumindest nicht denknotwendig.

In neuerer Zeit wiederholt z.B. Aldona Pobojewska40 schlicht die kantsche Grundannahme eines Subjektes als Träger apriorischer Erkenntnisbedingungen, die ihm als "allgemeine und notwendige Urteile gegeben sind." Dies seien Urteile, „nach denen sich also alle Gegenstände der Erfahrung notwendig richten und mit ihnen übereinstimmen müssen." Objekte würden nach "nach apriorischen Grundsätzen geformt." Subjekt und Objekt seien schließlich untrennbar in "ihrem Bezugscharakter verschränkt." Aufschluss als Wissen sei somit nur über die Subjekt-Objekt-Relation möglich, d.h. erst aufgrund von (transzendentaler) Wissensanalyse könnten wir über die einzelnen Bezugselemente schlussfolgern. Die epistemologische (d.h. transzendentale) Reflexion ginge der wissenschaftlichen Reflexion logisch voraus, was bedeute dass erstere der letzteren übergeordnet sei. Philosophen dürften die apriorische Bedingtheit des Erkenntnissubjekts nicht außer Acht lassen und müssten daher den Apriorismus voraussetzen. Aus dieser weiten Perspektive aber würde man mehr sehen.

Pobojewska gibt freilich keine Liste noch gültiger apriorischer Urteile an, die es erlauben würde, den Gehalt dieser Urteile sowie die Weite dieser Perspektive zu begutachten. Die analytisch feststellbare Aufeinanderbezogenheit von Subjekt und vorgestelltem Objekt allein gibt schließlich wenig spezifisches her. Und warum konnte die auf der untergeordnete Reflexionsebene angesiedelte Wissenschaft so viele Aussagen der logisch vorausgehenden und übergeordneten apriorisch transzendentalen Reflexionsebene de facto widerlegen? Warum hebt nach Pobojewska allein die Möglichkeit, dass Erkenntnisfehler vorkommen können, zwar die These vom realistischen Bild des wissenschaftlichen Wissens auf, nicht aber die These vom apriorischen Wissen?

Relatives Apriori

Michael Friedman41 schlägt vor42, Kants Begriff vom apriorischen Urteil zu relativieren. Ein apriorischer Satz muss laut Friedman nicht ein für allemal und mit Notwendigkeit a priori gelten; vielmehr galte ein Satz a priori relativ zu der Theorie T, deren Möglichkeitsbedingung B er ausspräche. So gälten Kants Prinzipien wie etwa die absolute Gleichzeitigkeit oder die euklidische Geometrie nur relativ zu Newtons physikalischer Theorie. Relativ zur aktuellen Physik hatten jene Sätze jedoch keinen apriorischen Status. Apriorität ist laut Friedman - und anders, als Kant dachte - kein absoluter Begriff. Es gehe bei den apriorischen Urteilen vielmehr um die nicht-empirischen Bedingungen B der Möglichkeit objektiver physikalischer Erfahrungserkenntnis, denn die Theorie T könne empirisch scheitern, d.h. sie gelte nicht mehr apodiktisch.

Wenn T gilt, so muss auch B gelten. Wenn T nicht gilt, so braucht B nicht zu gelten. Wenn B aber nicht gilt, muss T falsch sein, denn B ist eine Bedingung für die Möglichkeit von T. Die wahrheitsfunktionale Relation zwischen T und B entspricht daher einer Subjunktion, d.h. wenn T, dann B43. So ist B notwendig für T und T ist hinreichend für B. Die kantschen Verstandesprinzipien lassen sich tatsächlich aus der Newtonschen Physik ableiten, das Umgekehrte ist nicht möglich.

Auch Wolfgang Röd44 schlägt eine Relativierung apriorisch-transzendentaler Grundsätze vor, um diesen Ansatz von "unhaltbaren Geltungsansprüchen entlasten" zu können. Es gebe gute Gründe mit Kant anzunehmen, dass die Welten, die wir erführen und in denen wir lebten, wie die Welten der Wissenschaft, des Alltags, der Moral, der Religion und der Kunst nicht einfach vorgefunden würden, sondern vom Subjekt abhängig seien. Dass "das Gegebene" im Rahmen einer Theorie gedeutet werde, sei der Grundgedanke des Interpretationismus, der es möglich mache die Theorie der Erfahrung im Sinne des Problematizismus zu verstehen und sie im Interesse einer Aktualisierung weiterzuentwickeln. Röd identifiziert Welt offenbar mit Vorstellungswelt und nicht mit Realität. Dass z.B. Religion (nur) vom Subjekt abhängt ist hoch plausibel, es ist jedoch äußerst umstritten, ob die naturgesetzlichen Muster im Verhalten der Dinge tatsächlich wesentlich vom Subjekt abhängen.

Wolfgang Röd zustimmend, meint auch Andreas Lorenz45, dass Kants Transzendentaltheorie "entgegen Kants - ausdrücklicher - Auffassung" eine raffinierte Hypothese darstelle, "die auf die letztgültige Problemlösung der Begründungs- und Erklärungsmöglichkeit streng wissenschaftlicher Erfahrungserkenntnis angelegt war." Kants Transzendentalansatz beruhe jedoch auf einer falschen Grundauffassung der finalen Begründbarkeit apodiktischer Erkenntnis- und Erfahrungsmöglichkeit, die von der Hypothesenphobie Isaac Newtons46 inspiriert war. Durch die Relativitätstheorie wurde Kants Theorie schließlich angreifbar, da letztere auf der Newtonschen Physik basierte. Gebe man die apodiktische Begründungsstrategie jedoch preis, so erhalte man die Alternative, Kants Erfahrungstheorie als Erklärungsversuch der Erkenntnismöglichkeit durch hypothetischen Rekurs auf die Beschaffenheit menschlicher Erkenntnisvermögen aufzufassen. Unbestritten - so Lorenz - bliebe jedoch Kants Teilannahme, dass "theoretische Gesetzesschöpfungen nicht aus der Natur geschöpft, sondern der Natur über objektivierbare Setzungsakte gleichsam vorgeschrieben" würden. In einer problematisierten Variante würde der Verstand seine Gesetze in der Tat nicht aus der Natur schöpfen, "sondern er versucht, mit mehr oder weniger Erfolg, der Natur die von ihm erfundenen Gesetze aufzudrängen."47 Dass Naturgesetzaussagen vom Subjekt geschaffen werden, wird wohl nur von Platonikern48 bestritten. Anders sieht es bei den gesetzförmigen Mustern im Verhalten der Dinge aus: Hier ist es höchst fraglich, ob diese Muster wirklich vom Subjekt abhängen. Dass sich der Natur nicht so einfach Gesetze "aufdrängen" lassen, zeigte sich eindrucksvoll als die newtonsche von der einsteinschen Physik abgelöst wurde.

Kant uneingeschüchtert

Olaf Müller49 sieht, dass "alle prominenten Exemplare [von Kants] Sammlung synthetischer Urteile a priori angesichts der modernen Wissenschaftsentwicklung geopfert werden" müssen. "Dieses doppelt und dreifache Pech, das Kant mit seinen Beispielen gehabt hat," rechtfertige jedoch kaum "den pessimistischen Schluß, daß es keine besseren Beispiele geben kann." Ein "uneingeschüchterter Kant" könne sich schließlich nach besseren Beispielen für apriorisch gültige Aussagen umsehen. Nach Müller gilt ein Satz "absolut apriori, wenn er relativ zu jeder ernsthaften Theorie T mit Objektivitätsanspruch apriori gilt." Müller macht folgende Kandidaten für absolut apriorische Urteile aus:

  1. Nicht alle Sätze sind zugleich wahr und falsch.
  2. Nicht alle Veränderungen ereignen sich rein zufällig.
  3. Es gibt in der Welt Regelmäßigkeiten.
  4. Es gibt kausale Prozesse.
  5. Die Erfahrungsgegenstände stehen in räumlichen Beziehungen zueinander.

Der 1. Satz - so Müller - sei allerdings nicht synthetisch, da er in die Logik gehöre, die anderen Sätze seien zwar "äußerst schwach und vage". Aber, wenn richtig interpretiert, böten sie "gute Annäherungen an ein synthetisches Urteil." Müller gibt allerdings zu, dass die Sätze nicht ausreichen, "um Erfahrungsgegenstände physikalischer Theorien zu konstituieren." Die Sätze seien jedoch ein notwendiger Bestandteil jeder derartigen Konstitution (Fundierung).

Die Müllerschen apriorisch-synthetischen Sätze sind sicher hoch plausibel. Sie als apodiktisch geltend nachzuweisen, ist jedoch nicht so einfach. Um z.B. den zweiten Satz zu verteidigen, führt Müller an, dass eine Theorie T', die aussage, dass "das gesamte Universum durch und durch vom Zufall regiert" werde, über sich selbst aussage, dass "sie keine objektive Erfahrungserkenntnis beanspruchen" könne. Für die Möglichkeit von Erfahrung müsse schließlich vorausgesetzt werden, dass die Welt auf unsere Sinnesorgane kausal einwirke. Müller legt nicht explizit dar, wie er hier die kausale Einwirkung verstanden wissen möchte - im Sinne einer deterministischen Gesetzmäßigkeit oder im Sinne einer Zustandsänderung eines Dings durch ein anderes mittels Energieübergang.

Müller scheint jedoch Zufallsprozesse auszuschließen. Für die Möglichkeit von Erfahrung könnten aber auch stochastische Gesetzmäßigkeiten hinreichen. Die kinetische Gastheorie50 erklärt nämlich die Eigenschaften von Gasen, insbesondere die Gasgesetze, durch die Vorstellung, dass Gase aus einer sehr großen Anzahl kleiner Teilchen bestehen, die ständig in ungeordneter, aber statistisch fassbarer Bewegung sind51. Aus diesen Zufallsbewegungen lassen sich nun Näherungsformeln für Druck, spezifische Wärme, Schallgeschwindigkeit, Diffusion, Wärmeleitung und innere Reibung ableiten. D.h. diese Parameter repräsentieren keine konstanten Größen sondern Mittelwerte in Zufallsprozessen. Der Druck eines Gases ist also nicht konstant, sondern eine Zufallsgröße, die stochastisch um einen Mittelwert schwankt, auch wenn diese Schwankungen wegen Sensorträgheit üblicherweise nicht auffallen. Die Gasgesetze müssen demnach nicht als deterministische Gesetze aufgefasst werden, sondern lassen sich als stochastische Gesetzmäßigkeiten erklären.

Um den zweiten Satz als apodiktisch notwendig für alle denkbaren Theorien nachzuweisen, müsste Müller nun beweisen, dass es mindestens einen physikalischen Prozess geben muss, der sich prinzipiell nicht auf mikrophysikalische stochastische Prozesse zurückführen lässt. Solange dies nicht geleistet wurde, bleibt der Satz eine (plausible) Hypothese. Für eine Letztbegründung, die ein Aprioriker schließlich anstrebt, müsste vor allem auch die Bedeutung der Wendung "rein zufällig" genau erläutert werden. Potenzielle Lesarten wären etwa "gleichverteilt zufällig", "ausschließlich durch stochastische Prozesse" oder "statistisch nicht fassbar zufällig." An anderer Stelle benutzt Müller die Formulierung "durch und durch vom Zufall regiert", was ebenfalls erläuterungsbedürftig ist. Des weiteren müsste Müller auch präzise darlegen, was er genau unter einer "ernsthaften Theorie" versteht und warum er damit nicht zu viele Theorien ausschließt.

Müller ist schließlich noch der Meinung, dass die genannten apriorischen Sätze auf einer höheren Ebene stehen als die Axiome und Theoreme der jeweiligen physikalischen Theorien. Dies erläutert er anhand des Kausalitätsprinzips, welches besagt, dass einige Veränderungen eine Ursache haben müssen. Die Begriffe "Veränderung" und "Ursache" bräuchten - auch bei durch und durch deterministischen Theorien - nicht unbedingt "zum sprachlichen Arsenal" der physikalischen Theorien gehören. Eine deterministische Theorie sage, welcher Weltzustand welchem Weltzustand folge und zu diesem Zweck reiche es, Werte theoretischer Größen wie etwa Impuls, Beschleunigung, Masse, Kraft usw. samt ihrer funktionalen Zusammenhänge zu kennen. Erst bei der (philosophischen) Interpretation der Theorie gerate der Ursachebegriff ins Spiel. Das scheint jedoch eine zusätzliche Hürde für die angestrebte Letztbegründung aufzurichten: Nun muss auch noch bewiesen werden, dass die Interpretation für alle möglichen Theorien notwendig ist.

Unvollendetes Programm eines undogmatischen Apriorismus

Nach Holger Lyre52 ist zwar der kantsche Versuch einer apodiktischen Transzendentalbegründung der Physik "spektakulär gescheitert", was aber für eine künftige Transzendentalphilosophie keine "unüberwindbare Hürde" darstelle. Eine nur hypothetisch gültige Physik könne die Einheit der Physik nämlich nicht plausibel machen. Die wahren Bedingungen der Möglichkeit von Erfahrung könnten sich schließlich niemals empirisch als falsch erweisen, das wäre ein Widerspruch. Allerdings unterlägen auch Erkenntnistheoretiker wie alle Menschen sehr wohl möglichen Irrtümern. Dies könne man als die inhärente Grenze des Apriorismus bezeichnen und führe dazu, "die dogmatische Inanspruchnahme der unbezweifelbaren Evidenz eines Apriori aufzugeben." Der Versuch der transzendentalen Begründung der Physik sei allerdings extrem ambitiös. Die Einheit der Physik könne sich als möglich erweisen auf der Basis von Naturgesetzen, die als wahre Bedingungen der Möglichkeit von Erfahrung notwendige und allgemeine Geltung beanspruchen dürften. Dogmatismus und Gewissheitsanspruch hätten im Rahmen eines "geläuterten" Apriorismus jedoch keinen Platz.

Lyre schlägt "Unterscheidbarkeit und Zeitlichkeit als [...] in diesem Sinne geeignet erscheinende Kandidaten rudimentärer apriorischer Erkenntnisprinzipien" vor. Man könne "versuchen, allein aus den beiden Vorannahmen der Unterscheidbarkeit und der Zeitlichkeit ein vollständiges Konzept von Information herzuleiten." Vollständig hieße dabei, "daß der Begriff der Information in seiner umfassenden konzeptionellen Dimensionalität verwendet wird, nämlich im Sinne der Syntaktik, Semantik, Pragmatik und Zeitlichkeit." Lyre bezieht sich dabei auf die "Quantentheorie der Ur-Alternativen" von Carl Friedrich von Weizsäcker53: "Vermittels einer konsequenten Quantentheorie der Information, die ihren konzeptionellen Ursprung in einem a priori begründbaren Begriff von Quanteninformation hat, welcher seinerseits auf Unterscheidbarkeit und Zeitlichkeit als Bedingungen der Möglichkeit von empirischer Wissenschaft beruht", sei es denkbar den Raum abstrakt und wahr zu begründen. Lyre schließt allerdings nicht aus, dass sich dieser Ansatz auch als falsch erweisen könnte.

Für Holger Lyre ist die Begründung physikalischer Gesetze ein zwar noch unvollendetes aber aussichtsreiches Programm: "Die wahren Bedingungen der Möglichkeit von Erfahrung werden eines Tages am Anfang einer abstrakten Begründungskette unserer fundamentalen Naturgesetze stehen. Zwar werden wir sie niemals zweifelsfrei kennen, doch sie werden durch keine Erfahrung mehr hintergehbar sein. Und wir sollten darauf gefaßt sein, letzten Endes auf sehr abstrakt-allgemeine Konzepte zu stoßen. In diesem Sinne könnte moderne Physik durchaus a priori begründbar sein."

Im Kern propagiert Lyre also einen durch Irrtumsvorbehalt abgeschwächten aber dennoch auf strenge Allgemeingültigkeit zielenden Apriorismus. Er schreibt: "Der in der Geschichte der Physik erreichte und sich bis heute hin immer mehr verstärkende Vereinheitlichungsgrad unserer Theorien auf dem fundamentalen Niveau ist für jeden Physiker ein beeindruckendes Kennzeichen seiner Wissenschaft. Umso rätselhafter wäre es dann aber, wenn die fundamentalen Naturgesetze lediglich hypothetischen Status besäßen." Hier unterläuft ihm eine kleine Ungenauigkeit. Nicht Naturgesetze, d.h. Muster im Verhalten der Dinge, sondern Naturgesetzaussagen haben hypothetischen Status, solange sie nicht letztbegründet sind. Über vereinheitlichte Theorien54 wird aktiv geforscht, diese Forschungen sind jedoch noch nicht abgeschlossen. Letztbegründungen sind erst recht noch nicht in Sicht.

Die Quantentheorie impliziert nach Lyre, dass es keine vollständig beobachterunabhängige Realität geben könne, was offenbar auf die Kopenhagener Interpretation anspielt und einen gewissen Subjektivismus nahelegen könnte. Die Quantentheorie zeigt zwar, dass sich Teilchenverhalten nicht rückwirkungsarm messen lässt. Ob allerdings ein Beobachter auf einen Monitor blickt oder nicht, hat auf das Teilchenverhalten überhaupt keinen Einfluss. Bunge und Mahner schreiben hierzu: "Die phänomenalistische These der Kopenhagener Interpretation ist falsch. Die Formeln der Quantenmechanik beziehen sich ausschließlich auf physikalische Entitäten. [...] Negativ ausgedrückt: Im Gegensatz zu dem, was die Verteidiger der Kopenhagener Deutung behaupten, bezieht sich die Quantenmechanik nicht auf Beobachter oder Messapparate. Täte sie dies, würde sie Formeln enthalten, die das Verhalten der Beobachter berücksichtigen: Diese Formeln würden erlauben zu beschreiben, wie sie die Apparate entwerfen, konstruieren sie handhaben und vielleicht sogar noch, wie sie sie finanzieren. [...] Die Quantenmechanik ist eine strikt physikalische Theorie. [...] Sie liefert keine subjektivistischen, antirealistischen oder antimaterialistischen Argumente."55

Letztbegründung durch Abduktion?

Kurt Walter Zeidler56 beklagt57, dass "der einst mit den Termini Vernunft und Wirklichkeit verbundene System-, Totalitäts- und Unbedingtheitsanspruch kein Thema der aktuellen philosophischen Diskussion" mehr sei. Mit dem Hinweis auf das Münchhausen-Trilemma58 behaupteten Begründungsskeptiker, "daß es keine Regeln der Verknüpfung von Logik und Empirie gibt, die den tautologischen Leerlauf der Logik (infiniter Regreß oder logischer Zirkel) durchbrechen und die bloße Faktizität empirischer Feststellungen (Abbruch des Begründungsverfahrens) überwinden könnten. [...] Als logisches Verfahren der Regelanwendung und der Begriffsbildung gibt der abduktive Schluß Antwort auf [diese] zwei Fragen. [...] [Damit] gibt uns nunmehr die Abduktion [...] eine transzendentallogisch relevante Schlußlehre und Letztbegründungstheorie an die Hand, die [...] den Begründungsskeptizismus überwindet, [...] weil sie den Schluß als rein logische Synthesis zu denken erlaubt [...], denn [sie] vermittelt [...] beide Geltungsaspekte, indem sie die begriffliche Identifikation des Gegenstandes leistet und hierdurch der Deduktion ihre logischen Gegenstände und der Induktion ihre empirischen Begriffe liefert. [Sie] vollbringt [...] die transzendentale Synthesis des Mannigfaltigen, die Kant dem reinen Verstand oder der 'ursprünglich-synthetischen Einheit der Apperzeption' zuschreibt."

Zeidler bezieht sich hierbei auf das Schlussverfahren der Abduktion59 nach Charles Sanders Peirce60. Bei ihr erfolgt der Schluss von einem Resultat bzw. Faktum auf eine Regel und auf einen Fall. Sie "schließt" also von einer bekannten Größe auf zwei unbekannte. Dadurch, dass das Resultat etwas Singuläres ist, ist die Abduktion die Schlussweise mit dem höchsten Risiko der Fehlbarkeit. Sie ist bloße Vermutung ohne Beweiskraft.

Peirce erläutert hierzu: "Abduction is the process of forming an explanatory hypothesis. It is the only logical operation which introduces any new idea; for induction does nothing but determine a value, and deduction merely evolves the necessary consequences of a pure hypothesis. Deduction proves that something must be; Induction shows that something actually is operative; Abduction merely suggests that something may be."61 "The abductive suggestion comes to us like a flash. It is an act of insight, although of extremely fallible insight."62 "The conclusion of an abduction is problematic or conjectural."63

Peirce64 präsentiert folgendes Beispiel:

Resultat: Die beobachteten Himmelspositionen des Mars lassen sich nicht mit einer kreisförmigen Marsbahn vereinbaren, passen aber zu einer Ellipse.
Regel: Alle Planeten laufen auf ellipsenförmigen Bahnen.
Fall: Mars ist ein Planet.

In Gegensatz hierzu wird bei der Deduktion von einer allgemeinen Regel und einem Fall auf ein notwendiges Ergebnis geschlossen:

Regel: Alle Planeten laufen auf ellipsenförmigen Bahnen.
Fall: Mars ist ein Planet.
Resultat: Die beobachteten Himmelspositionen des Mars müssen sich mit ellipsenförmigen Bahnen vereinbaren lassen.

Zeidler betont die für ihn "fundamentale Bedeutung des abduktiven Schlusses: als logisches Verfahren, das den Fall zur Regel und damit die Anwendbarkeit der Regel erschließt", sei "die Abduktion das logische Verfahren der Begriffsbildung." Die drei Schlüsse - so Zeidler - bildeten eine selbstregulative Einheit: "Die Deduktion exekutiert die Regel, die Induktion formuliert die Regel, indem sie ihre möglichen Anwendungsfälle antizipiert, und die Abduktion identifiziert den jeweiligen Anwendungsfall." Der Begründungsskeptiker würde hier jedoch einwenden, dass es sich bei dieser Einheit nur um die umständliche Verkleidung eines schlichten logischen Zirkels handele. Außerdem würde der Begründungsskeptiker noch konstatieren, dass die Induktion nur die syllogistische Umschreibung für den infiniten Regreß sei, da aus einer noch so großen Anzahl erfolgreicher Regelanwendungen nicht auf die Allgemeingültigkeit der Regel geschlossen werden könne, und dass die Abduktion auch gar kein Schluss, sondern eine bloß willkürliche Festsetzung sei, die zu vorausgesetzten Regeln und Resultaten die jeweils passenden Anwendungsbeispiele hinzudichte.

Dem Skeptiker entgeht laut Zeidler jedoch, dass die von ihm aufgedeckten Begründungsdefizite aus seinen eigenen Voraussetzungen resultierten:
"Der Skeptizismus changiert zwischen der korrespondenztheoretischen Wahrheitskonzeption des Empirismus, der nur empirisch gegebene Gründe wahrhaben will, und der kohärenztheoretischen Wahrheitskonzeption des logischen Formalismus, der unter der Logik nur eine Lehre von den Strukturen vorgegebener Aussagen bzw. Erkenntnisresultate versteht, ohne zu bemerken, daß er sich beide Male im repräsentationstheoretischen Zeichenmodell verfängt: er sucht nämlich in beiden Fällen nach einem Gegebenen auch dann, wenn er nach Gründen sucht. Da er seine Gründe in einem Gegebenen sucht, kann er sie begreiflicherweise nur in einem empirisch Gegebenen oder einem logisch Vorausgesetzten oder einem willkürlich Gesetzten vermuten, wobei er aber jedesmal feststellen muß, daß keiner dieser Gründe die gesuchte Grundlage bietet. Das philosophische Denken, das sich nicht an vorgegebene Gründe klammert und die Logik daher nicht nur als spezifisch formalwissenschaftliche Lehre von den Strukturen der Erkenntnisresultate, sondern als Lehre von den Bedingungen der Möglichkeit der Erkenntnis begreift, erkennt dagegen im skeptizistischen Begründungstrilemma die drei isolierten und in ihrer Isolation negierten Momente des dreieinigen Schlusses, der den korrespondenztheoretischen und den kohärenztheoretischen Aspekt des Wahrheitsbegriffs bzw. die beiden isolierten Aspekte einer entweder bloß empirischen oder bloß formalen Begründung zusammenschließt und daher die Letztbegründung aller Erkenntnisse und somit auch die Form von Vernunft und Wirklichkeit ist." [Hervorhebungen von Zeidler]

So endet Zeidlers Aufsatz und lässt den Leser ratlos zurück. Indem man also eine zwingende mit zwei fehlbaren Schlussweisen kombiniert, entsteht nach Zeidler angeblich eine "Schlußlehre als logische Letztbegründungstheorie [...], die den Begründungsskeptizismus überwindet." Zwar gibt es eine Fachdiskussion mit unterschiedlichen Auffassungen über die Abduktion65, darin herrscht aber immerhin insofern Einigkeit, dass der abduktive Schluss offenbar irrtumsanfällig ist. Als das Entscheidende bei der Abduktion wird ihre heuristische Funktion angesehen, d.h. ihre Fähigkeit, eine neue hypothetische Regel zu generieren. Daraus lassen sich anschließend deduktiv Vorhersagen ableiten, die sich empirisch prüfen lassen. Des weiteren besteht im Wesentlichen Einigkeit darüber, dass auch die empirische Überprüfung von Hypothesen (Zeidler: "empirisch gegebene Gründe") fehlerbehaftet sein könnte.

Letztbegründung bedeutet jedoch, dass jeglicher Irrtum apodiktisch ausgeschlossen werden muss. Wie die Zeidlersche Dreieinigkeit der Schlussweisen nun diese absolute Unfehlbarkeit garantieren können soll, bleibt völlig im Dunklen. So harrt Einsteins66 Diktum, dass die Sätze der Mathematik, insofern sie sich auf die Wirklichkeit bezögen, nicht sicher seien, und insofern sie sicher seien, sich nicht auf die Wirklichkeit bezögen, wohl doch noch der Widerlegung.

Transzendentalphilosophie ohne Idealismus?

Nach Thomas Grundmann67 hätte Kant in der transzendentalen Deduktion zeigen müssen68, dass aus den notwendigen apriorischen Bedingungen der Gegenstandserfahrung die notwendigen apriorischen Bedingungen der erfahrenen Gegenstände selbst folgten. Bei diesem Beweisversuch sei Kants transzendentaler Idealismus zu berücksichtigen. Letzterer werde nach herkömmlicher Sichtweise ontologisch verstanden, was bedeute, dass der epistemisch relevante Gegenstand ein idealistisches Konstrukt aus sinnlich gegebener Materie und den Verstandesfunktionen sei. Dies widerspräche jedoch einigen Formulierungen Kants, der etwa ausführe, dass "die Vorstellung [...] ihren Gegenstand dem Dasein nach nicht hervorbringt", sondern vielmehr "die Vorstellung in Ansehung des Gegenstandes [...] a priori bestimmend [ist], wenn durch sie allein es möglich ist, etwas als einen Gegenstand zu erkennen." (KrV-A92) Dieser Gegenstand könne jedoch nicht das Ding an sich sein, denn hierfür seien die Vorstellungen keineswegs a priori bestimmend. Henry Allison69 habe daher eine epistemische Interpretation vorgeschlagen, bei der sich die apriorische Erkenntnis auf die subjektabhängigen Eigenschaften des ansonsten ontologisch unabhängigen Gegenstandes beschränkten. Auch bei dieser Interpretation ergäbe sich jedoch kein erkenntnistheoretischer Realismus, denn man erkenne dann zwar subjektunabhängige (objektive) Gegenstände, nicht aber deren subjektunabhängige (objektive) Eigenschaften.

Kant entwerfe einen erkenntnistheoretischen Idealismus, bei dem die Maßstäbe der Erkenntnis vom erkennenden Subjekt und der spezifischen Form seines Erkenntnisvermögens abhängig seien, so dass die Welt, auf die sich diese Erkenntnis beziehe, nicht existierte, wenn das erkennende Subjekt nicht existierte. Dennoch sollen unsere alltäglichen und wissenschaftlichen Aussagen über die materielle Außenwelt wahr sein können, obwohl diese Außenwelt in einem bestimmten Sinne subjektabhängig sei, was Kant als empirischen Realismus bezeichne. Des weiteren müsse die Wahrheit des transzendentalen Idealismus erkennbar sein, weil von ihm das ganze Begründungsprogramm der Transzendentalphilosophie abhänge. Schließlich sei Kant Agnostiker im Hinblick auf die Existenz von Gegenständen, die von uns vollkommen unabhängig existierten, aber für die Wahrheit oder Falschheit unserer Erkenntnis keine Rolle spielten.

Nun ergebe sich folgendes Dilemma: Entweder der transzendentale Idealismus behaupte eine erkennbare Subjektabhängigkeit der erkennbaren Welt. Dann widerspräche er unserem realistischen Weltbild und schlage in einen empirischen Idealismus um. Oder der transzendentale Idealismus behaupte eine Subjektabhängigkeit der Welt, die unsere empirischen Wissensansprüche unangetastet lasse. Dann sei die Subjektabhängigkeit aber nicht erkennbar und der transzendentale Idealismus ein reines Produkt metaphysischer Spekulation.

Andererseits - so Grundmann - gebe es keinen Grund, warum das Subjekt nur seine eigenen Zustände erkennen könne, also gewissermaßen immer nur in sich hineinschaue. Subjektive Vorstellungen könnten sich auch ohne weiteres auf von ihnen unabhängige Gegenstände beziehen, wenn man die Vorstellungsrelation als eine echte Relation zwischen zwei unabhängigen Relaten begreife. Wenn wir die objektive Welt wegen der generellen Subjektabhängigkeit der Erkenntnisobjekte aber nicht so erkennen könnten, wie sie sei, so wäre der transzendentale Idealismus nichts anderes als ein Außenweltsskeptizismus in Verkleidung. Es gebe dann lediglich ein apriorisches Wissen darüber, wie menschlichen Subjekten die Welt erschiene.

Grundmann möchte am Projekt der Transzendentalphilosophie festhalten, um die Möglichkeit apriorischer Welterkenntnis über eine Theorie der notwendigen Bedingungen der Repräsentation dieser Welt zu begründen und zu erklären. Man brauche sich dabei jedoch nicht auf einen Idealismus berufen, der die metaphysische Abhängigkeit der Welt vom Geist behaupte, so dass es die Welt nicht gäbe, wenn kein Geist existierte. Grundmann propagiert demgegenüber die Idee der kopernikanischen Wende70 ohne transzendentalen Idealismus, indem er lediglich eine epistemische Abhängigkeit annimmt, bei der ein metaphysisch unabhängiger Gegenstand einer bestimmten Erkenntnisbedingung entsprechen müsse, damit er Bezugspunkt wahrer oder falscher Repräsentationen sein könne. Im Unterschied zu Allison bedeute dies "keine Subjektivierung des Erkannten, sondern eine reine Extensionsbeschränkung." Wir beschränkten uns lediglich darauf, über die Menge von metaphysisch völlig geistunabhängigen Dingen zu sprechen, auf die wir uns in unseren Repräsentationen auf wahre oder falsche Weise beziehen können. Und das hieße auch nicht, dass die Gegenstände empirischer Repräsentation metaphysisch vom Geist abhingen, was der transzendentale Idealismus behaupte.

So sei die transzendentale Strategie im Prinzip auch mit einem Realismus bezüglich der Erkenntnisobjekte verträglich. Dazu brauche es lediglich generelle und notwendige epistemische Bedingungen für geistunabhängige Gegenstände in der Welt. Wir könnten von diesen Bedingungen jedoch nur dann a priori wissen, wenn wir diese Art von Erkenntnis als unproblematisch voraussetzten, zu deren Verteidigung die transzendentale Strategie allererst erfunden wurde. Damit wäre das ganze Unternehmen aber überflüssig. So könnte es laut Grundmann sein, dass apriorische Erkenntnis über die Welt, wenn sie denn überhaupt möglich sei, ganz anders begründet werden müsste, als mit Hilfe transzendentaler Argumente.

Als Abhilfe plädiert Grundmann71 für einen erkenntnistheoretischen Externalismus72. Man solle die Anforderung aufgeben, dass wir uns nur auf Methoden stützen dürften, deren Zuverlässigkeit wir mit Hilfe unabhängiger Gründe einsehen könnten. Die tatsächliche Zuverlässigkeit einer apriorischen oder auch erfahrungsbasierten Methode reiche aus, um ihr Rechtfertigungskraft zu geben73. Eine weitere Begründung dieser Zuverlässigkeit sei nicht erforderlich. Die Basis apriorischer Begründung bildeten Gedankenexperimente, die im Rahmen der Metaphysik (Ontologie) angesiedelt seien. Mit Hilfe von Gedankenexperimenten versuchten wir Annahmen oder Hypothesen darüber zu bestätigen oder zu widerlegen, welche notwendigen und hinreichenden Bedingungen dafür bestünden, dass etwas ein Anwendungsfall eines bestimmten Begriffs wie etwa Wissen, Wahrheit, Geist, Gerechtigkeit usw. sei. Die dabei eingesetzte apriorische Methode sei auch mit der Möglichkeit von Irrtümern und empirischen Widerlegungen kompatibel. Dies nennt Grundmann "konstruktiven Fallibilismus"74.

Bei Grundmann bleibt also fast nur noch die kantsche Fragestellung erhalten, welche davon handelt, ob wir durch bloßes Nachdenken - d.h. rein a priori - gewisse Aspekte der Welt erkennen können. Im Rahmen dieser Untersuchung verwirft Grundmann sowohl Kants Apodiktik, Kants erkenntnistheoretischen Internalismus und auch den transzendentalen Idealismus. Was Grundmanns Methodik angeht, so bemerkt er, dass sie "im Lichte der kantischen und nachkantischen Metaphysikkritik als eine Provokation erscheinen" müsse.

Fazit

Kants wichtige Rolle in der Geschichte der philosophischen Denker ist unbestritten, da sein Werk bis heute rezipiert wird. Hier soll allerdings die Frage gestellt werden, wie sein System im Rahmen heutiger systematischer Philosophie einzuordnen ist.

Die von der newtonschen Physik inspirierten und von Kant apodiktisch aufgefassten apriorischen Verstandesprinzipien scheiterten spektakulär. Erfahrungen, die es nach Kant nicht hätte geben dürfen, zeigten, dass sich die Gegenstände nicht nach Kant richteten. Weder der kantsche noch der newtonsche "Verstand [war der][...] Quell der Gesetze der Natur"75, womit die angestrebte apodiktische Fundierung der Physik misslang. Damit zeigte sich auch, dass signifikante Teile der kantschen Theorie keineswegs der Erfahrung vorgeordnet sein können, denn sonst hätten sie sich kaum empirisch erschüttern lassen. Schließlich stellte sich auch heraus, dass Kants transzendentale Deduktion mehrere Argumentationslücken enthält.

Die Verstandesprinzipien erwiesen sich aber immerhin als gehaltvoll und kritisierbar, was sich daran zeigt, dass sich die Prinzipien aufgrund empirischer Resultate als nicht denknotwendig erweisen konnten.

Hieraus folgt insbesondere, dass Kant keine valide Methode der Letztbegründung entwickeln konnte. Tatsächlich ist bis heute noch überhaupt keine zuverlässige Methode der Letztbegründung verfügbar, mit der sich nicht-trivale Aussagen über die Welt final absichern ließen. Die Probleme der Zirkularität, des unendlichen Regresses oder des willkürlichen Abbruchs konnten bislang entgegen anderslautender kühner Behauptungen (wie etwa von Kurt Walter Zeidler) noch nicht gelöst werden. Man kann davon ausgehen, dass eine Überwindung dieser Probleme ganz sicher nobelpreiswürdig ist.

Welche Schlussfolgerungen ergeben sich daraus?

  • Die kantschen "Beweise" sollten an den Hochschulen nicht affirmativ gelehrt werden. Im Rahmen der systematischen Philosophie reicht es, die kantschen Konzepte darzustellen.
  • Anhand des kantschen Beweisganges lässt sich nur lernen, wie man nicht sicher zu apodiktisch gültigen Aussagen oder Urteilen kommt. Es wäre Aufgabe der Kantforschung dieses Ergebnis besser zugänglich herauszuarbeiten. Es ist nicht sinnvoll, jegliche Kantrezeption generell als Forschung am unübersichtlichen Quellenmaterial zu definieren. Schließlich liest außer Historikern heute auch niemand mehr Newtons "Philosophiae Naturalis Principia Mathematica".
  • Kantforschung sollte sich von Kantapologetik deutlich unterscheiden.
  • Da ihre Letztbegründung aussteht, lässt sich die These des transzendentalen Idealismus nicht als privilegiert auffassen. Sie konkurriert auf Augenhöhe mit alternativen Erklärungsmodellen. Der transzendentale Idealismus führte nicht zu einer Methode, mit der sich apodiktisch gültige Aussagen über die Welt gewinnen lassen.
  • Solange ein Letztbegründungsverfahren fehlt, sind Kriterien wie etwa Widerspruchsfreiheit, Kompatibilität mit wissenschafltichen Resultaten, Erklärungskraft, Problemlösungspotenzial, Plausibilität und Kritisierbarkeit relevant, um verschiedene Alternativen vergleichend zu bewerten.

In der Literatur lassen sich verschiedene Strategien zur Konsolidierung der Transzendentalphilosophie ausmachen:

  • Zum einen wird versucht, Kants transzendentalen Idealismus durch Immunisierung gegenüber Kritik, Ignoranz gegenüber dem aktuellen Stand der Wissenschaft, Revision einiger Elemente, Aufweichung bzw. Relativierung des Gesamtkonzeptes zu retten.
  • Zum anderen wird Kants Scheitern eingestanden und ein tranzendentalphilosophischer Neuanfang vorgeschlagen. Die hierbei verfolgten Konzepte sind flexibel: Es gibt idealistische, realistische, apodiktische, fallibilistische, bedingte, allgemeine, internalistische oder externalistische Ansätze.

Es bleibt abzuwarten, welche Ergebnisse aus der Transzendentalphilosophie in Zukunft noch erzielt werden. Eine neue Transzendentalphilosophie ist noch Programm, die Kandidaten für apriorisch allgemeingültige Aussagen über die Welt sind gering an Zahl und ihr Gehalt noch wenig spezifisch.

Vor aller Erfahrung erkennen wir in unseren Gedanken das, was wir selbst hineinlegen. Letzteres stellt aber lediglich eine Tautologie dar. Der Verstand ist sicher die Quelle der Naturgesetzaussagen. Es scheint aber durchaus fragwürdig, ob der Verstand auch als Quelle der Naturgesetze anzusehen ist, was einer "theory of the mind making nature" (Peter Strawson) entspräche. Wenn eine formal konsistente Theorie im Labor experimentell scheitert, liegt es wohl eher daran, dass die Realität anders strukturiert ist als in der Theorie angenommen. Dass wir der Natur nicht irgend ein System aufoktroyieren können, zeigt sich dadurch, dass Theorien immer mal wieder von neuen Theorien abgelöst werden, die genauere Vorhersagen ermöglichen.

Die große Vielfalt unterschiedlicher mit einander inkompatibler Deutungen des kantschen Systems76 zeigt, dass Kant sein Denksystem nicht genau genug ausgearbeitet hat. Es gibt Widersprüche bei den Aussagen und beim Begriffsgebrauch. Die Interpreten versuchen daraufhin das System zu "reparieren", was auf unterschiedliche Weise geschehen kann. Künftige Transzendentalphilosophien sollten daher stringent formuliert werden, um einer derartigen Deutungsexplosion vorzubeugen.

Eine neue Transzendentalphilosophie sollte auch mit den Ergebnissen von Einzelwissenschaften einsichtig kompatibel sein. So kann der klassisch idealistische Kantianismus die Augenevolution77 kaum erklären, denn die Sinne sind kantianisch die Bedingung dafür, dass es subjektabhängiges Licht gibt. Licht ist nach dieser Theorie nur eine Erscheinung, ohne Subjekt kann nichts erscheinen und jegliche Eigenschaften des "Dings an sich" sind schließlich prinzipiell unzugänglich. Wie sollte denn auch eine Anpassung an "außersinnliche" Eigenschaften der "Dinge an sich" in einer Realität ohne Raumstruktur vonstatten gehen? Die Evolution von Lebewesen ist für Kantianer völlig transzendent78. Gibt es Licht hingegen auch subjektunabhängig, so scheint ein Anpassungsprozess plausibel, wie er in der Evolutionsbiologie allgemein angenommen wird. Der Kantianismus ist ein spezieller Außenweltskeptizismus, der dadurch getarnt ist, dass Welt mit Vorstellungswelt, Erscheinungswelt oder Weltbild identifiziert wird. Durch diese Begriffsredefinition lässt sich der übliche Sprachgebrauch weitgehend aufrecht erhalten.

Der klassische Kantianismus soll die Wissenschaft fundieren. Bestimmte Bereiche der Wissenschaft wie etwa die Evolutionstheorie des wissenschaftlichen Mainstreams werden hierbei jedoch zumindest partiell negiert. Historisch betrachtet, wurden etliche philosophische Themen in Einzelwissenschaften übernommen und dort erheblich weiterentwickelt. Im Rahmen dieses Prozesses erwiesen sich überkommene philosophische Konzepte als defizitär und wurden im Rahmen der jeweiligen Einzelwissenschaft revidiert. Es ist daher eher unplausibel, dass die mittlerweile sehr entwickelte Evolutionsbiologie deswegen aufgegeben werden muss, weil sich ein idealistischer Kantianismus doch noch als überlegene Theorie erweist. Ebenso unplausibel scheint es, dass die Kosmologie als empirische Wissenschaft aufgegeben wird, weil Kant gezeigt haben soll, dass Kosmologie unmöglich ist.

Auch die Tatsache,

  • dass man optische und akustische Sensordaten über Neuroprothesen79 direkt ins Gehirn einspeisen kann,
  • dass sich diese Datenströme von jenen der natürliche Organe auch noch unterscheiden
  • und dass die Patienten dennoch lernen können, sich damit in der Umwelt zu orientieren,

stellt eine Herausforderung für den klassischen Kantianismus dar. Das Lernen aus Erfahrung, das sich bei dieser sensorischen Substitution80 ereignet, steht in Konflikt mit dem traditionellen kantianischen Konzept einer apriorischen also erfahrungsunabhängig im Subjekt verfügbaren Raumanschauung.

Kants Lösung ist nicht die einzige Möglichkeit, Rationalismus und Empirismus zu verbinden. Mario Bunge81 meint, dass Kant die schlechten Hälften des Rationalismus und des Empirismus kombinierte, nämlich den apriorischen Rationalismus und den phänomenalen Empirismus: Der Verstand schriebe der Natur die Gesetze vor, die Realität sei völlig unerkennbar, nur Phänomene könnten wahrgenommen werden. Kant - so Bunge - kombinierte gewissermaßen Christian Wolff82 mit David Hume.

Bunge schlägt alternativ einen Ratioempirismus als Kombination aus konzeptioneller Analyse, Theoretisieren, Beweisen und Diskutieren zusammen mit Beobachten, Messen, Experimentieren und Praxis in der Tradition von Bacon und Galilei vor. Kombiniert wird das mit einem kritischer Realismus, der annehme, dass es möglich sei, approximativ wahre Theorien über die Realität zu entwickeln. Diese seien zwar irrtumsanfällig, es werde aber angenommen, dass sich Fehler prinzipiell beseitigen ließen. Wie die Geschichte bislang zeigt, ist auch der transzendentale Idealismus fehleranfällig, so dass andere Kriterien zum Vergleich der verschiedenen Ansätze herangezogen werden müssen.

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  1. Paul Natorp: "Die logischen Grundlagen der exakten Wissenschaften", Teubner, 1910, S.399ff, archive.org ↩︎

  2. Ewald Sellien: "Die erkenntnistheoretische Bedeutung der Relativitätstheorie", Kantstudien-Ergänzungshefte 48, Reuther & Reichard, 1919, S.56f, archive.org ↩︎

  3. Ernst Cassirer: "Zur Einsteinschen Relativitätstheorie", Bruno Cassirer Verlag, 1921, S.78. ↩︎

  4. Rudolf Carnap: "Der Raum, ein Beitrag zur Wissenschaftslehre", Kantstudien-Ergänzungshefte 56, Reuther & Reichard, 1922 sowie "Dreidimensionalität des Raumes und Kausalität", Annalen der Philosophie 4, Springer, 1924, S.105-130. ↩︎

  5. Claus Beisbart, Homepage, "Kant über den Raum - Teil 2", im Rahmen des Seminars über Kants "Kritik der reinen Vernunft", Institut für Philosophie, Technische Universität Dortmund, 2008, PDF, archive.org ↩︎

  6. Marcus Willaschek: "Transzendentaler Idealismus und Raum-Zeit-Idealität - eine 'lückenlose' Interpretation von Kants Beweis in der 'Transzendentalen Ästhetik'", Zeitschrift für philosophische Forschung 51, 1997, S.537-564, jstor.org ↩︎

  7. Dies ist als "Trendelenburgsche Lücke" oder "neglected alternative" bekannt. Wikipedia ↩︎

  8. "Ontogenese", Wikipedia ↩︎

  9. "Phylogenese", Wikipedia ↩︎

  10. Gabor Jando et al.: "Early-onset binocularity in preterm infants reveals experience-dependent visual development in humans", Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA 109, No. 27, 2012, S.11049-11052, PDF ↩︎

  11. "so ist uns zwar die Materie aller Erscheinung nur a posteriori gegeben, die Form derselben aber muß zu ihnen insgesammt im Gemüthe a priori bereit liegen und daher abgesondert von aller Empfindung können betrachtet werden", Immanuel Kant: "Kritik der reinen Vernunft - Die Transscendentale Ästhetik", 1. Aufl., 1781, Akademieausgabe IV S.30. ↩︎

  12. "Hier steht es nun dem Archäologen der Natur frei, aus den übriggebliebenen Spuren ihrer ältesten Revolutionen nach allem ihm bekannten oder gemuthmaßten Mechanism derselben jene große Familie von Geschöpfen [...] entspringen zu lassen. Er kann den Mutterschooß der Erde, die eben aus ihrem chaotischen Zustande herausging [...] anfänglich Geschöpfe von minder-zweckmäßiger Form, diese wiederum andere, welche angemessener ihrem Zeugungsplatze und ihrem Verhältnisse unter einander sich ausbildeten, gebären lassen; bis diese Gebärmutter selbst, erstarrt, sich verknöchert, ihre Geburten auf bestimmte, fernerhin nicht ausartende Species eingeschränkt hätte, und die Mannigfaltigkeit so bliebe, wie sie am Ende der Operation jener fruchtbaren Bildungskraft ausgefallen war. - Allein er muß gleichwohl zu dem Ende dieser allgemeinen Mutter eine auf alle diese Geschöpfe zweckmäßig gestellte Organisation beilegen, widrigenfalls die Zweckform der Producte des Thier- und Pflanzenreichs ihrer Möglichkeit nach gar nicht zu denken ist. (Eine Hypothese von solcher Art kann man ein gewagtes Abenteuer der Vernunft nennen [...]) Alsdann aber hat er den Erklärungsgrund nur weiter aufgeschoben und kann sich nicht anmaßen, die Erzeugung jener zwei Reiche von der Bedingung der Endursachen unabhängig gemacht zu haben." in Immanuel Kant: "Kritik der Urtheilskraft - Von der nothwendigen Unterordnung des Princips des Mechanisms unter dem teleologischen in Erklärung eines Dinges als Naturzwecks", 1788, Akademieausgabe V S.419. ↩︎

  13. "Evolutionäre Erkenntnistheorie", Wikipedia ↩︎

  14. Karen Gloy: "Kant und die Naturwissenschaften - ihre Bedeutung für die Gegenwart", S.48, in Lorenz (Hrsg): "Transzendentalphiosophie heute - Breslauer Kant-Symposium 2004", Königshausen & Neumann, 2007, S.39-58. ↩︎

  15. Karen Gloy: "Kant und die Naturwissenschaften - ihre Bedeutung für die Gegenwart", S.50. ↩︎

  16. "Als Galilei seine Kugeln die schiefe Fläche [...] herabrollen, oder Torricelli die Luft ein Gewicht, was er sich zum voraus dem einer ihm bekannten Wassersäule gleich gedacht hatte, tragen ließ [...], so ging allen Naturforschern ein Licht auf. Sie begriffen, daß die Vernunft nur das einsieht, was sie selbst nach ihrem Entwurfe hervorbringt, daß sie mit Principien [...] nach beständigen Gesetzen vorangehen und die Natur nöthigen müsse auf ihre Fragen zu antworten, nicht aber sich von ihr allein gleichsam am Leitbande gängeln lassen müsse; denn sonst hängen zufällige, nach keinem vorher entworfenen Plane gemachte Beobachtungen gar nicht in einem nothwendigen Gesetze zusammen [...]. Die Vernunft muß mit ihren Principien, nach denen allein übereinstimmende Erscheinungen für Gesetze gelten können, in einer Hand und mit dem Experiment, das sie nach jenen ausdachte, in der anderen an die Natur gehen, zwar um von ihr belehrt zu werden, aber nicht in der Qualität eines Schülers, der sich alles vorsagen läßt, was der Lehrer will, sondern eines bestallten Richters, der die Zeugen nöthigt auf die Fragen zu antworten, die er ihnen vorlegt", Immanuel Kant: "Kritik der reinen Vernunft - Vorrede zu 2.Auflage", 1787, Akademieausgabe III S.10 ↩︎

  17. Karen Gloy: "Kant und die Naturwissenschaften - ihre Bedeutung für die Gegenwart", S.56. ↩︎

  18. "Evolutionärer Algorithmus", Wikipedia ↩︎

  19. Karen Gloy: "Kant und die Naturwissenschaften - ihre Bedeutung für die Gegenwart", S.54. ↩︎

  20. Theodor Bröcker (Mathematiker), Wikipedia ↩︎

  21. Theodor Bröcker: "Kant, Gauß und die Grundlagen der Geometrie", web.archive.org ↩︎

  22. "Hyperbolische Geometrie", Wikipedia ↩︎

  23. "Man gebe einem Philosophen den Begriff eines Triangels und lasse ihn nach seiner Art ausfindig machen, wie sich wohl die Summe seiner Winkel zum rechten verhalten möge. Er hat nun nichts als den Begriff von einer Figur, die in drei geraden Linien eingeschlossen ist, und an ihr den Begriff von eben so viel Winkeln. Nun mag er diesem Begriffe nachdenken, so lange er will, er wird nichts Neues herausbringen. Er kann den Begriff der geraden Linie oder eines Winkels oder der Zahl drei zergliedern und deutlich machen, aber nicht auf andere Eigenschaften kommen, die in diesen Begriffen gar nicht liegen. Allein der Geometer nehme diese Frage vor. Er fängt sofort davon an, einen Triangel zu construiren. Weil er weiß, daß zwei rechte Winkel zusammen gerade so viel austragen, als alle berührende Winkel, die aus einem Punkte auf einer geraden Linie gezogen werden können, zusammen", Immanuel Kant: "Kritik der reinen Vernunft - Die Disciplin der reinen Vernunft im dogmatischen Gebrauche", 2. Aufl., 1787, Akademieausgabe III S.470f. ↩︎

  24. Kant zur newtonschen Physik: "Eine jede Lehre, wenn sie ein System, d. i. ein nach Principien geordnetes Ganze der Erkenntniß, sein soll, heißt Wissenschaft [...] Eigentliche Wissenschaft kann nur diejenige genannt werden, deren Gewißheit apodiktisch ist; Erkenntnis, die bloß empirische Gewißheit enthalten kann, ist ein nur uneigentlich so genanntes Wissen [...] Eine rationale Naturlehre verdient also den Namen einer Naturwissenschaft nur alsdann, wenn die Naturgesetze, die in ihr zum Grunde liegen, a priori erkannt werden und nicht bloße Erfahrungsgesetze sind. Man nennt eine Naturerkenntniß von der ersteren Art rein", Immanuel Kant: "Metaphysische Anfangsgründe der Naturwissenschaft", 1786, Akademieausgabe IV S.467f ↩︎

  25. "Raum in der klassischen Mechanik", Wikipedia ↩︎

  26. Immanuel Kant: "Kritik der reinen Vernunft - Antinomie der reinen Vernunft, erster Widerstreit der transscendentalen Ideen", 2. Aufl., 1787, Akademieausgabe III S.294ff. ↩︎

  27. Siehe auch "Kants transzendentaler Idealismus - Antinomien des Weltanfangs", feodor.de ↩︎

  28. "Friedmann-Weltmodell", Wikipedia ↩︎

  29. Peter Mittelstaedt, Ingeborg Strohmeyer: "Die kosmologischen Antinomien in der Kritik der reinen Vernunft und die moderne physikalische Kosmologie", Kant-Studien - Philosophische Zeitschrift der Kant-Gesellschaft 81, 145-169, 1990. ↩︎

  30. Immanuel Kant: "Kritik der reinen Vernunft - Die transscendentale Ästhetik, Von dem Raume", 2. Aufl., 1787, Akademieausgabe III S.53. ↩︎

  31. "So ist in dem Begriffe einer Figur, die in zwei geraden Linien eingeschlossen ist, kein Widerspruch, denn die Begriffe von zwei geraden Linien und deren Zusammenstoßung enthalten keine Verneinung einer Figur; sondern die Unmöglichkeit beruht nicht auf dem Begriffe an sich selbst, sondern der Construction desselben im Raume, d. i. den Bedingungen des Raumes und der Bestimmung desselben; diese haben aber wiederum ihre objective Realität, d. i. sie gehen auf mögliche Dinge, weil sie die Form der Erfahrung überhaupt a priori in sich enthalten", Immanuel Kant: "Kritik der reinen Vernunft - Die Postulate des empirischen Denkens überhaupt", 2. Aufl., 1787, Akademieausgabe III S.187. ↩︎

  32. "Raumkrümmung", Wikipedia ↩︎

  33. "Bei allem Wechsel der Erscheinungen beharrt die Substanz, und das Quantum derselben wird in der Natur weder vermehrt noch vermindert", Immanuel Kant: "Kritik der reinen Vernunft - Grundsatz der Beharrlichkeit der Substanz", 2. Aufl., 1787, Akademieausgabe III S.162. ↩︎

  34. "Ein Philosoph wurde gefragt: wie viel wiegt der Rauch? Er antwortete: ziehe von dem Gewichte des verbrannten Holzes das Gewicht der übrigbleibenden Asche ab, so hast du das Gewicht des Rauchs. setzte also als unwidersprechlich voraus: daß selbst im Feuer die Materie (Substanz) nicht vergehe, sondern nur die Form derselben eine Abänderung erleide", Immanuel Kant: "Kritik der reinen Vernunft - Erste Analogie. Grundsatz der Beharrlichkeit der Substanz", 2. Aufl., 1787, Akademieausgabe III S.164. ↩︎

  35. Holm Tetens: "Kants 'Kritik der reinen Vernunft': ein systematischer Kommentar", Reclam, 2006, S.171f. ↩︎

  36. "Alle Veränderungen geschehen nach dem Gesetze der Verknüpfung der Ursache und Wirkung", Immanuel Kant: "Kritik der reinen Vernunft - Grundsatz der Zeitfolge nach dem Gesetze der Causalität", 2. Aufl., 1787, Akademieausgabe III S.166. ↩︎

  37. Holm Tetens: "Kants 'Kritik der reinen Vernunft': ein systematischer Kommentar", Reclam, 2006, S.174f. ↩︎

  38. "Lebensdauer und Zerfallswahrscheinlichkeit", Wikipedia ↩︎

  39. "Der Beweis besteht darin, daß gezeigt wird: Die Grundsätze des reinen Verstandes sind durch dasjenige möglich, was sie selbst ermöglichen, durch das Wesen der Erfahrung. Das ist ein offenkundiger Zirkel, und zwar ein notwendiger. Die Grundsätze werden bewiesen im Rückgang auf das, dessen Hervorgang sie ermöglichen, weil diese Sätze nichts anderes ans Licht heben sollen als diesen Kreisgang selbst; denn dieser macht das Wesen der Erfahrung aus." In Martin Heidegger: "Die Frage nach dem Ding. Zu Kants Lehre von den transzendentalen Grundsätzen", Wintersemester 1935/36, in Petra Jaeger (Hrg.): "Gesamtausgabe - II. Abteilung: Vorlesungen 1921-1944", Band 41, Vittorio Klostermann, 1984, S.244. ↩︎

  40. Aldona Pobojewska: "Grenzen der Geltung des Naturalismus nach Kant", in Lorenz (Hrsg): "Transzendentalphiosophie heute - Breslauer Kant-Symposium 2004", Königshausen & Neumann, 2007, S.59-68. ↩︎

  41. Michael Friedman (Philosoph), Wikipedia ↩︎

  42. Michael Friedman: "Kantian Themes in Contemporary Philosophy", Proceedings of the Aristotelian Society, Suppl. Volume 72, 1998, S.111-129 und "On the Sociology of Scientific Knowledge and its Philosophical Agenda", Studies in History and Philosophy of Science 29, 1998 S.239-271. ↩︎

  43. "Subjunktion", Wikipedia ↩︎

  44. Wolfgang Röd: "Transzendentalphilosophie ohne Letztbegründung", in Lorenz (Hrsg): "Transzendentalphiosophie heute - Breslauer Kant-Symposium 2004", Königshausen & Neumann, 2007, S.9-24. ↩︎

  45. Andreas Lorenz: "Kants Transzendentalhypothese". in Lorenz (Hrsg): "Transzendentalphiosophie heute - Breslauer Kant-Symposium 2004", Königshausen & Neumann, 2007, S.235-257. ↩︎

  46. "Hypotheses non fingo", Wikipedia ↩︎

  47. Karl Popper: "Gesammelte Werke, Band 9: Die Quantentheorie und das Schisma der Physik", Mohr Siebeck, 2001, S. 5. ↩︎

  48. "Moderner Platonismus", Wikipedia ↩︎

  49. Olaf L. Müller: "Kantische Antworten auf die moderne Physik oder sollen wir Kants Apriori mit Michael Friedman relativieren?" Philosophia naturalis 37, 2000, S.97-130, PDF sowie "Es gibt synthetische Urteile apriori!", in: Gerhardt, Horstmann und Schumacher (Hrsg): "Kant und die Berliner Aufklärung - Akten des IX. Internationalen Kant-Kongresses - Band V", De Gruyter, 2001, S.564-572, PDF ↩︎

  50. "Kinetic theory of gases", Wikipedia ↩︎

  51. "Brownsche Bewegung", Wikipedia ↩︎

  52. Holger Lyre: "Kann moderne Physik a priori begründbar sein?", Philosophia Naturalis 37, 2000, 439-454, PDF ↩︎

  53. "Quantentheorie der Ur-Alternativen", Wikipedia ↩︎

  54. "Große vereinheitlichte Theorie", Wikipedia deutsch, Wikipedia englisch ↩︎

  55. Mario Bunge und Martin Mahner: "Über die Natur der Dinge", Hirzel 2004, S.143f. ↩︎

  56. Schriftenverzeichnis Kurt Walter Zeidler, Uni Wien, archive.org ↩︎

  57. Kurt Walter Zeidler: "Die Wirklichkeit der Vernunft (Formale, empirische und rationale Begründung)", in: L. Nagl, R. Langthaler (Hrsg.), "System der Philosophie? Festgabe für Hans-Dieter Klein", Peter Lang - Internationaler Verlag der Wissenschaften, 2000, S.241-252, philo.at. ↩︎

  58. "Münchhausen-Trilemma", Wikipedia ↩︎

  59. Abduktion bei Charles Sanders Peirce, Wikipedia ↩︎

  60. Charles Sanders Peirce - Collected Papers, Wikipedia, PDF, archive.org ↩︎

  61. Peirce: Collected Papers 5.171, PDF S.3786 ↩︎

  62. Peirce: Collected Papers 5.181, PDF S.3791 ↩︎

  63. Peirce: Collected Papers 5.171, PDF S.3795 ↩︎

  64. Peirce: Collected Papers 2.96, PDF S.1161 ↩︎

  65. "Abduktion", Wikipedia; "Abductive reasoning", Wikipedia ↩︎

  66. Albert Einstein: "Geometrie und Erfahrung", Springer, 1921, archive.org ↩︎

  67. Thomas Grundmann, Wikipedia; Uni Köln ↩︎

  68. Thomas Grundmann: "Transzendentalphilosophie ohne Idealismus", in: "Metaphysik als Wissenschaft - Festschrift für Klaus Düsing zum 65. Geburtstag", Alber, 2006, 190–210, PDF ↩︎

  69. Henry Allison: "Kant’s Transcendental Idealism", Yale University Press, 1983. ↩︎

  70. Kants "Kopernikanische Wende", Wikipedia ↩︎

  71. Thomas Grundmann: "Gibt es Erkenntnis aus reiner Vernunft? Probleme und Perspektiven", PDF ↩︎

  72. "Internalism and externalism", Wikipedia; "Externalism", Wikipedia; "Internalist vs. Externalist Conceptions of Epistemic Justification", plato.stanford.edu; "Externalism About Mental Content", plato.stanford.edu; "Skepticism and Content Externalism", plato.stanford.edu; "Externalist Theories of Meaning", plato.stanford.edu ↩︎

  73. "Reliabilism", Wikipedia; "Reliabilist Epistemology", plato.stanford.edu ↩︎

  74. Thomas Grundmann: "Gibt es eine fehlbare Rechtfertigung? Eine Positionsbestimmung im Rückblick auf die Antike" PDF ↩︎

  75. "So übertrieben, so widersinnisch es also auch lautet, zu sagen: der Verstand ist selbst der Quell der Gesetze der Natur und mithin der formalen Einheit der Natur, so richtig und dem Gegenstande, nämlich der Erfahrung, angemessen ist gleichwohl eine solche Behauptung.", Immanuel Kant: "Kritik der reinen Vernunft - Von dem Verhältnisse des Verstandes zu Gegenständen überhaupt und der Möglichkeit diese a priori zu erkennen", 1. Aufl., 1781, Akademieausgabe IV S.93. ↩︎

  76. Siehe auch "Kants transzendentaler Idealismus", feodor.de ↩︎

  77. "Augenevolution", Youtube-Video, Wikipedia ↩︎

  78. "Transzendenz", Wikipedia ↩︎

  79. "Neuroprothese" bei Wikipedia, "Retina-Implantat" bei Wikipedia, "Cochlea-Implantat" bei Wikipedia, "Hirnstamm-Implantat" bei Wikipedia ↩︎

  80. "Sensorische Substitution", Wikipedia↩︎

  81. Mario Bunge: "Treatise on Basic Philosophy 6 - Epistemology & Methodology II: Understanding the World", Reidel, Dordrecht, 1983, S.255ff. ↩︎

  82. "Christian Wolff", Wikipedia ↩︎