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Skepsis, Wissenschaft und Skeptikerbewegung

Der Beitrag behandelt die Frage, welche Form des Skeptizismus im Rahmen der Wissenschaft adäquat ist, und betrachtet hierzu zwei wesentliche Ausprägungen des Skeptizismus, die Urteilsenthaltung und den Irrtumsvorbehalt. Gibt es einen wahren Skeptizismus? Dazu wird der unterschiedliche Gebrauch des Begriffs Pseudoskeptizismus analysiert, der insbesondere auch auf die Skeptikerbewegung angewendet wurde. Eine abschließende Erörterung untersucht, ob die Naturgesetzlichkeit der Welt als hypothetische Annahme für Wissenschaft notwendig ist oder ob es sich hierbei um ein nicht kritisierbares willkürliches Dogma handelt. Eilige Leser springen gleich zum kurzen Resümee.

Inhalt1

Pankritizismus selbstwidersprüchlich?
Skepsis, Zetetik und Agnostizismus
Konsequenter Skeptizismus
- Konsequenter Skeptizismus praktizierbar?
- Problemlösen ohne Urteile zu fällen?
Skeptikerbewegung
Wahre Skeptiker?
- Sprachgebrauch flexibel
- Skeptikerbegriff als Vereinbarung
- Pseudoskeptiker?
Folgerung aus dem konsequenten Skeptizismus
- Skepsis in der Forschung?
Struktur von Aussagen
- Allaussagen
- Existenzaussagen
Kritischer Rationalismus
- Starke Thesen versus Kritikimmunität
- Scheitern versus Bewähren
"Pseudoskeptizismus" in der Praxis
- Faktenleugnung ("denialism")
- Zu wenig Skepsis in der Mainstream-Wissenschaft?
- Anomalistik versus Mainstream-Wissenschaft
- "Kein Ψ" als Standardhypothese der Mainstream-Wissenschaft
- Naturgesetzlichkeit für die Wissenschaft notwendig?
Naturgesetzlichkeit als metatheoretische Voraussetzung
Resümee

Pankritizismus selbstwidersprüchlich?

In der Literatur streiten Autoren darüber, ob die Aussage "alles ist kritisierbar" selbstwidersprüchlich2 ist und ob dies auch für das Münchhausen-Trilemma3 gilt4. Ich umgehe dieses Problem einfach dadurch, indem ich sage: Bislang ist fast alles kritisierbar, da noch kein Letztbegründungsverfahren5 bekannt ist. Um die Lesbarkeit nicht zu beeinträchtigen, erwähne ich dies im Folgenden aber nicht in jedem Satz.

Skepsis, Zetetik und Agnostizismus

Im Altertum wurde mit dem Begriff Skepsis6 systematisches Hinterfragen, Betrachten und Untersuchen verbunden. Eine damit verwandte Vokabel aus dieser Zeit ist Zetetik7, womit eine theoretische Einstellung gemeint ist, bei der das Suchen im Vordergrund steht. Betont wird hierbei aber jeweils die fehlende Möglichkeit zu sicheren Ergebnissen gelangen zu können. Neusprachlich wird mit dem Wort Skepsis8 daher auch meist einfach nur eine zweifelnde Haltung bezeichnet. Agnostizismus9 bedeutet Nichtwissen, welches ohne verfügbare sichere Erkenntnis verbleibt. Das Wort Skeptizismus findet sehr allgemeine Verwendung, während der Begriff Agnostizismus eher selektiv hinsichtlich religiöser Fragestellungen gebraucht wird.

Werden die Ansätze aber jeweils konsequent angewendet, führen sie zu der gleichen Schlussfolgerung, dass nämlich bei allen nicht letztbegründeten Aussagen nur die Urteilsenthaltung (Epoché, ἐποχή)10 angemessen ist. Damit ist es beispielsweise nicht möglich, zwischen einer Aussage A und ihrer logischen Negation ¬A zu wählen, solange weder A noch ¬A letztbegründet wurden. Ich verwende im Folgenden meist den allgemeiner gebrauchten Begriff Skepsis.

Konsequenter Skeptizismus

Wenn faktisches Wissen als die Menge der letztbegründeten Aussagen über die Welt verstanden wird, bleibt kaum noch oder vielleicht sogar überhaupt kein derartiges Wissen übrig.11 Im Rahmen eines konsequenten Skeptizismus lässt sich noch nicht einmal der metaphysische Solipsismus12 ("es gibt nur meine Vorstellungen") rational ausschließen. Eine solipsistische Vorstellungswelt bräuchte auch nicht logisch konsistent oder kohärent zu sein.13 Selbst bei einer so intuitiv evidenten Aussage, wie "ich fühle, also gibt es da irgend etwas", könnte vielleicht auch nur noch ein passendes Gegenargument fehlen.

Strikte Skepsis ist rein destruktiv und betrifft fast alle Theorien über die Welt gleichermaßen. Skeptizismus liefert insbesondere keinerlei Kriterien für eine Theorieauswahl, denn alle nicht-trivialen Theorien über die Welt müssen (bislang) als fehleranfällig gelten. Schlimmer noch, diese Urteilsenthaltung ist nicht nur hinsichtlich der positiven Adäquatheit von Theorien relevant, sondern sie betrifft auch die empirische Falsifizierung von Theorien. Schließlich ist auch das experimentelle Widerlegen von Theorien eine fehlbare menschliche Aktivität. Die Skepsis ist ein großer Gleichmacher: Praktisch alle Theorien über die Welt sind im Lichte der Skepsis eben nicht letztbegründet und stellen daher kein Wissen im obigen Sinne dar.

- Konsequenter Skeptizismus praktizierbar?

Radikale Skepsis in Form strenger Urteilsenthaltung ist allerdings keine überlebensfördernde Haltung. Es ist schlicht lebenspraktisch undurchführbar, ständig alles anzuzweifeln. Unter den Überlebenden findet man daher auch kaum derartig rigorose Skeptiker.

So zitiert Diogenes Laertius14 den Schriftsteller Antigonos von Karystos, der berichtet, dass der Skeptiker Pyrrhon von Elis der Wahrnehmung keinen Einfluss auf sein Verhalten zugestanden habe und sich weigerte, entgegenkommenden Wagen, steilen Abhängen oder bissigen Hunden auszuweichen. Er habe sein Überleben nur seinen (weniger skeptischen) Schülern zu verdanken, die ihn begleiteten. Andere Autoren stellen diesen Bericht wiederum in Frage15, was dann bedeuten könnte, dass Pyrrhons Urteilsenthaltung vielleicht doch nicht so weit ging. Andererseits soll der antike Skeptiker Timon von Phleius über Pyrrhon gesagt haben16, dass letzterer die Dinge für gleichermaßen indifferent, unmessbar und unbeurteilbar hielt. Daher würden weder unsere Sinneswahrnehmungen noch unsere Meinungen uns etwas Wahres oder Falsches sagen und wir sollten ihnen deswegen auch nicht trauen.17 Im Ergebnis führe dies, so Timon, über die Sprachlosigkeit schließlich zur Gemütsruhe.18

Wie dem auch sei, mit pyrrhonischer bzw. konsequenter Skepsis ist daher im Folgenden nicht die historische Person aus der Antike gemeint19, sondern lediglich das Konzept der Urteilsenthaltung bei fehlender Letztbegründung.

Da es kaum einleuchtet, wie etwa handlungsrelevante Zweifel hinsichtlich der Effekte der Schwerkraft oder Impulsübertragung mit guten Überlebenschancen kompatibel sein könnten, scheint evident: Die allermeisten Menschen sind in diesem Sinne wohl höchstens partielle Skeptiker, denn sie hängen am Leben.

- Problemlösen ohne Urteile zu fällen?

Könnte überlebenskompatibles Handeln möglich sein, auch ohne bewusst Urteile zu fällen? Das ist hoch plausibel. Schmeißfliegen bringen das wohl fertig. Deren Verhaltensrepertoire ist jedoch eher begrenzt. Wie sollten aber Architekten Gebäude entwerfen, Ingenieure Maschinen konstruieren oder Wissenschaftler verbesserte Theorien entwickeln, ohne dabei (vorläufige) Urteile zu fällen? Die große Flexibilität, die Homo sapiens bislang beim Bearbeiten derartiger Probleme zeigte, scheint gerade auf der Fähigkeit zu beruhen, lösungsadäquate Urteile der Form "Konzept A funktioniert" oder "Konzept B funktioniert nicht" fällen zu können.

Der antike Skeptiker Arkesilaos20 versuchte zu erläutern, warum es plausibel sein könne, dass auch ein Skeptiker durch die Tür und nicht etwa durch die Wand zu gehen versuche, ohne dabei aber die Voraussetzung "dort ist eine Tür" zu machen. Eine Schwierigkeit besteht hierbei darin, menschliches Agieren nicht auf reines Instinkthandeln oder automatisches Reagieren zu reduzieren. Auch der Skeptiker möchte als Mensch mit Bewusstsein aufgefasst werden. Arkesilaos meinte, der Skeptiker brauche der Sinneswahrnehmung nicht zuzustimmen, er habe aber eine Sinneswahrnehmung und das reiche, um nicht gegen eine Wand zu laufen.21 Um seine Gemütsruhe nicht zu gefährden, stimmt der Skeptiker also folgendem Satz nicht (auch nicht vorläufig) zu: "Wenn ich versuche, durch die Wand zu gehen, wird das wohl nicht klappen. Dort ist aber eine Tür und wenn ich hindurch gehe, kann ich wohl den Raum verlassen." Dennoch geht er immer durch die Tür, möchte aber gleichzeitig auch nicht für einen Roboter ohne Bewusstsein gehalten werden, der das schließlich auch schafft. Wie man mit dieser Einstellung erfolgreich Forschung treiben können sollte, ist höchst unplausibel.22 Der strenge Skeptiker muss ein derartiges Unterfangen aber ohnehin für sinnlos halten, denn solange kein Letztbegründungsverfahren bekannt ist, steht das Forschungsergebnis bereits vorher fest: die Urteilsenthaltung.

Skeptikerbewegung

Für ein Netzwerk von Personen, die eine kritische Einstellung gegenüber Behauptungen haben, die sowohl empirisch unzureichend belegt als auch inkompatibel mit bewährten Ergebnissen der Wissenschaften sind, hat sich der Begriff Skeptikerbewegung23 eingebürgert. Zu den einschlägig kritisierten Thesen gehören u.a. Homöopathie, Wünschelrutengehen, Astrologie, Parapsychologie, Spuk, Kreationismus oder Entführungen durch Außerirdische. Um die hierbei vertretene Haltung zu bezeichnen, wird auch der Terminus "wissenschaftlicher Skeptizismus"24 verwendet, der auf Carl Sagan25 zurückgeführt wird.

Wie dies bei den meisten anderen Menschen der Fall ist, vertreten die Mitglieder der Skeptikerbewegung mehrheitlich auch keine rigorose pyrrhonische Skepsis. Es dürfte unkontrovers sein, dass sich der Zweifel in der Skeptikerbewegung von der strengen pyrrhonischen Skepsis deutlich unterscheidet. Zweifel gegenüber empirisch gehaltvollen Behauptungen, die sowohl höchst ungewöhnlich als auch noch nicht ausreichend belegt sind, stellen jedoch auch eine Form von Skepsis dar, wenn auch eine erheblich mildere Form.

Wahre Skeptiker?

Argument: "Kein Skeptiker fällt vorläufige Urteile."
Replik: "Aber ich kenne einen Skeptiker, der fällt sehr wohl vorläufige Urteile."
Widerlegung: "Kein wahrer Skeptiker fällt irgendwelche Urteile!"

Diese Form der Argumentation ist ein bekannter Trugschluss26, da die Menge, die in der Voraussetzung (hier: Skeptiker) zugrunde gelegt wird, in der Schlussfolgerung (hier: wahre Skeptiker) implizit neu festgelegt wird. Ein konsequenter Skeptiker dürfte allerdings sowieso nicht vom "wahren Skeptiker" sprechen, sondern müsste sich des Urteils enthalten.

- Sprachgebrauch flexibel

Dass sich Wortbedeutungen historisch verändern, gilt in der Sprachwissenschaft als gut belegt und ist nicht umstritten.27

Daneben wird manchmal aber auch argumentiert, dass eine bestimmte Bedeutung B1 eines Wortes deswegen die einzig zulässige sein müsse, weil sich diese Bedeutung in besonders alten Quellen nachweisen lasse. Hingegen seien neuere Bedeutungen B2 und B3 ein Zeichen für Sprachverfall und müssten ausgemerzt werden.28 Darin drückt sich ein gewisser platonischer Essenzialisimus aus. Die Adäquatheit dieses Konzeptes lässt sich jedoch nicht belegen und ist eine Minderheitenmeinung. Es lässt sich kaum zeigen, dass ein bestimmtes Symbol notwendig mit einer bestimmten Bedeutung versehen werden müsste. So wird die Bedeutung von Symbolen eher als Konvention einer Sprechergemeinschaft in einer bestimmten historischen Situation angesehen.29

- Skeptikerbegriff als Vereinbarung

Daraus folgt: Ob nun jemand als Skeptiker oder Nicht-Skeptiker zu bezeichnen ist, hängt vom jeweiligen Skeptizismus-Verständnis ab. Wenn zwei Parteien hierbei auf ihrem unterschiedlichen Sprachgebrauch beharren und die jeweils unterstellte Begriffsbedeutung auch nicht erläutern, kann eine Kommunikation nicht gelingen. Begriffsbedeutung als Konvention muss vereinbart werden. Das Kommunikationsproblem kann noch dadurch verschärft werden, dass zwar Begriffserläuterungen gegeben werden, diese aber vom Gesprächspartner ignoriert werden. Das verhindert tatsächlich effektiv jeden sinnvollen Disput.

- Pseudoskeptiker?

Um die Skeptikerbewegung zu kritisieren oder gar zu diskreditieren, wird manchmal die Vokabel "Pseudoskeptiker" eingesetzt. Nach Duden30 lässt sich das als Scheinskeptiker auffassen: Es wird in implizit abwertender Weise unterstellt, dass die Mitglieder nur den Anschein erwecken wollen, konsequente Skeptiker zu sein, es in Wirklichkeit jedoch nicht sind.

Wenn hierbei der Begriff "Pseudoskepsis" ohne nähere Erläuterung verwendet wird, lässt sich daraus nur ableiten, dass die damit kritisierte Haltung wohl nicht mit der pyrrhonischen Skepsis übereinstimmen kann. Die pyrrhonische Skepsis ist nämlich die konsequenteste Form der Skepsis, d.h. mehr Skepsis geht nicht und es wäre daher grob inadäquat, die pyrrhonische Variante als Pseudoskepsis im Sinne von "zu wenig Skepsis" zu qualifizieren.

Durch dieses Begriffsverständnis entstünde jedoch ein etymologischer Fehlschluss31, denn die Personen innerhalb der Skeptikerbewegung wollen sich mehrheitlich überhaupt nicht als radikal pyrrhonische Skeptiker verstehen. Ein Streit um "wahre" oder "scheinbare" Skeptiker ist daher gehaltloses Wortgeklingel, der Diskurs muss sich vielmehr darum drehen, welche Urteile denn in welcher Form bezweifelt werden sollten.

Der Disput darüber, was alles zu bezweifelt werden müsse, ist alt. So soll der Pyrrhoneer32 Ainesidemos den akademischen Skeptikern vorgehalten haben, dass ihre Behauptung "nichts kann gewusst werden" negativ dogmatisch sei.33

Folgerung aus dem konsequenten Skeptizismus

Obwohl sich die pyrrhonische Skepsis lebenspraktisch kaum durchhalten lässt, ergibt sich aus ihr bislang dennoch die praktische Konsequenz, dass Theorien über die Welt Fehler enthalten können und ggf. revidiert werden müssen. Der Fallibilismus (Irrtumsvorbehalt) gehört daher zum Mainstream der Wissenschaftstheorie.34 Auch in diesem Sinne dürften Personen in der Skeptikerbewegung wohl überwiegend adäquat als Skeptiker bezeichnet werden dürfen.

Irrtumsvorbehalt ist aber etwas anderes als Urteilsenthaltung, denn um sich irren zu können, müssen zumindest vorläufige Urteile gefällt werden. Ein rigoroser Skeptiker kann sich nur deshalb nicht irren, weil er überhaupt keine Urteile fällt.

- Skepsis in der Forschung?

Warum sollten pyrrhonische Skeptiker überhaupt Forschung treiben wollen? Das einzige Forschungsthema eines Pyrrhoneers kann die Letztbegründung sein, da nur letztere überhaupt zu Erkenntnissen führen kann. Dazu braucht es insbesondere keine empirische Forschung, denn diese führt ohne Letztbegründung sowieso nur zu Nicht-Erkenntnis und Urteilsenthaltung.

Eine fallibilistische Haltung mildert dieses Problem. Zwar bleibt die Irrtumsmöglichkeit bestehen, aber es lassen sich immerhin vorläufige Urteile fällen, indem provisorisch am Bewährten festgehalten wird, bis es durch Besseres ersetzt wird. Absolute Urteilsenthaltung mag zur Gemütsruhe führen, aber sie ist kaum von Gleichgültigkeit zu unterscheiden und resultiert in Stillstand.35

Mario Bunge merkte an, dass radikaler und konsequenter Zweifel zum skeptischen Paradoxon führt: Da der Skeptiker keine Argumente abwägen kann, weil ihm nichts als unmöglich gilt, sind ihm naivste Vorstellungen und bewährteste Theorien völlig gleichwertig.36

Struktur von Aussagen

Neben dem vorläufigen Befund, dass alle menschliche wissenschaftliche Aktivität als fehlerbehaftet zu gelten hat, lässt sich noch die logische Struktur37 von Aussagen betrachten, die unabhängig vom konkreten semantischen oder empirischen Gehalt besteht.

- Allaussagen

Zwischen dem Bestätigen und dem Widerlegen von Allaussagen gibt es eine Asymmetrie: Allaussagen lassen sich nämlich schon aus logischen Gründen nicht sicher verifizieren, denn hierzu wären unendlich viele Bestätigungen nötig, was unerreichbar ist. Im Falle der Widerlegung reicht jedoch ein valides Gegenbeispiel. Es ist deswegen erkenntnistheoretisch wünschenswert, wenn Aussagen über die Welt prinzipiell empirisch widerlegbar oder wenigstens kritisierbar sind. Empirisch prüfbar sind Aussagesysteme, wenn sich daraus deduktiv etwas ableiten lässt, das empirisch entweder der Fall sein muss oder nicht der Fall sein darf. Des weiteren ist es bereits aus methodischen Gründen erstrebenswert, Hypothesen aufzustellen, die in empirischer Hinsicht möglichst viel sowohl vorhersagen als auch ausschließen.

- Existenzaussagen

Anders gelagert ist die Situation bei Existenzaussagen. Hier reicht ein valides Beispiel, um die Aussage zu belegen.38 Nicht näher qualifizierte Existenzaussagen lassen sich aber kaum widerlegen, denn ein Untersucher ist mit praktisch unlimitierten Suchmöglichkeiten konfrontiert. Aus diesem Grunde liegt hier die Last Belege beizubringen beim Behauptenden. Bei negativen Existenzaussagen, wie "es gibt kein X", kehren sich die logischen Verhältnisse um: Diese Aussagen können durch einen entsprechenden Existenznachweis widerlegt, aber nicht generell bewiesen werden. Nichtexistenzaussagen haben also empirischen Gehalt, wenn sie prinzipiell empirisch scheitern können.

Kritischer Rationalismus

Der kritische Rationalismus39 ist ein gemäßigt skeptizistisch ausgerichtetes Konzept, das auf Verbesserung von Theorien mittels Kritik setzt und auf jede Letztbegründung verzichtet. Die Möglichkeit von Irrtümern wird ausdrücklich anerkannt, nach möglichen Fehlern wird gesucht. Wissenschaftliche Theorien lassen sich wegen der Problematik der Allaussagen nicht verifizieren, sondern können sich in Rahmen einer strengen empirischen Prüfung höchstens vorläufig bewähren. Das Wissen über die Welt ist hypothetisch und nicht apodiktisch. Es handelt sich aber nicht um eine pyrrhonische Resignationslösung, sondern um einen vorsichtig optimistischen Blickwinkel: Durch Beseitigen von Fehlern kann immerhin eine größere Wahrheitsnähe erreicht werden.

- Starke Thesen versus Kritikimmunität

Aus methodischen Gründen bevorzugt man im kritischen Rationalismus möglichst starke Thesen, die an der Erfahrung eher scheitern können als schwache Thesen, die wenig vorhersagen und kaum etwas ausschließen. Thesen, die alles vorhersagen und scheinbar erklären, gelten als kritikimmunisiert. Etwas, das Beliebiges erklärt, hat weder explanatorischen Wert noch empirischen Gehalt und wird daher verworfen oder modifiziert. Als Korollar erhält man die Aussage, dass die Wissenschaft scheitert, wenn beliebige Ereignisfolgen möglich sind. Wissenschaft scheitert aber nicht schon daran, dass Zufallsereignisse (wie etwa beim Atomkernzerfall) vorkommen, die vorhersagbare stochastische Muster aufweisen.

- Scheitern versus Bewähren

Wissenschaftler stehen nicht morgens auf und fragen sich: "Welche Theorie widerlege ich denn heute?" Eher wird versucht, die Genauigkeit von Vorhersagen zu erhöhen, neue Vorhersagen zu ermöglichen, Fehler zu beseitigen, bessere Erklärungen zu finden oder unbekannte Zusammenhänge und Effekte zu entdecken. Im Zuge dieser Aktivitäten werden bekannte Theorien erweitert oder modifiziert oder neue Theorien entwickelt.

Auch wenn im kritischen Rationalismus wegen der obigen strukturellen Asymmetrie die Möglichkeit des empirischen Scheiterns besonders betont wird, verliert Bewährung nicht an Relevanz, denn ohne empirische Bewährung gäbe es nichts, mit dem man weiterarbeiten könnte. Bewährte Theorien bleiben, untaugliche werden entweder modifiziert oder durch neue Theorien ersetzt. Das entspricht einem Prozess der Fehlerkorrektur, der historisch mal graduell oder schubweise erfolgt, mal stagniert oder auch Rückschläge40 erleidet.41

"Pseudoskeptizismus" in der Praxis

Wenn mit Skepsis nur die strikte pyrrhonische Urteilsenthaltung gemeint ist, so gibt es - wie wir gesehen haben - kaum Skeptiker. In der Vergangenheit wurden mit "Pseudoskeptizismus" sehr unterschiedliche Haltungen verbunden:

- Faktenleugnung ("denialism")42

Zum einen kann es sich dabei um die Leugnung43 von Weltereignissen, wie AIDS44, NS-Völkermord45 oder Klimawandel46, handeln, die im wissenschaftlichen Mainstream als gut gesichert gelten. Ein interessanter Fall ist auch die "Flat Earth Society", die sich selbst ernsthaft47 als "zetetisch"48 bezeichnet und behauptet, die Erde sei flach und nicht rund.49 Es dreht sich hier also um eine Haltung, bei der geleugnet oder zumindest stark bezweifelt wird, dass sich gewisse von der Wissenschaft beschriebene Sachverhalte adäquat auf Tatsachen beziehen. Im Mainstream der Wissenschaft gibt es jedoch breiten Konsens, dass die vorgetragenen Zweifel angesichts der Befundlage unangemessen sind.50

- Zu wenig Skepsis in der Mainstream-Wissenschaft?

Zum anderen wird der Begriff "Pseudoskeptizismus" auch auf den Carl-Sagan'schen wissenschaftlichen Skeptizismus selbst angewendet. Prominent51 ist die Kritik52 Marcello Truzzis53, einem der CSICOP-Gründungsmitglieder. Truzzi unterscheidet den wahren (zetetischen54) vom Pseudo-Skeptiker. Wie wir gesehen haben, ist der Begriff des "wahren Skeptikers" aber problematisch, denn der Begriff des Skeptikers wird bislang nicht einheitlich verstanden. Es kann also nur darum gehen, welche Form des Zweifelns Truzzi für nötig erachtet, die er wiederum bei der Skeptikerbewegung vermisst.

Truzzi geht es bei seiner Kritik vor allem um negative Aussagen über paranormale55 Effekte, wie Hellsehen, Telepathie, Astrologie o.ä. Er meint, man dürfe nicht behaupten, dass paranormale Effekte - abgekürzt56 Ψ - wegen fehlender Plausibilität nicht vorkommen könnten, dafür sei vielmehr ein empirischer Beleg ("proof") nötig. Mehr noch: Experimentelle Mängel, wie unzureichende Absicherung gegen Betrug oder ungenügende Randomisierung, könnten nicht belegen, dass z.B. Probanden nicht doch paranormale Fähigkeiten hätten. Wenn gezeigt würde, dass Belege für das Paranormale nicht überzeugten, sei dies kein Grund diese Belege zu verwerfen. Der "wahre Skeptiker" würde in dieser Situation nur davon sprechen, dass das Paranormale lediglich nicht bewiesen, jedoch keineswegs widerlegt sei. Im übrigen setzt Truzzi auch voraus, dass Kritiker von Experimenten die Beweislast trügen, wenn sie experimentelle Mängel anführten. Wenn also jemand die negative Hypothese aufstellt: "Wir gehen bis auf weiteres davon aus, dass es den Effekt Ψ nicht gibt", so muss diese Person laut Truzzi auch belegen können, dass es den Effekt Ψ wirklich nicht gibt. Solange Ψ nicht widerlegt sei, so Truzzi, müsse weiter geforscht werden.

Truzzi hält den pyrrhonischen Skeptizismus für höchst wertvoll ("most valuable") und kongruent ("congruent") mit dem Fallibilismus57. Wie weit Truzzis Forderung nach Urteilsenthaltung insgesamt geht, wird nicht ganz klar, er fordert aber offenbar dann eine Urteilsenthaltung, wenn es um unbelegte paranormale Effekte geht. Wenn "congruent" mit "deckungsgleich" übersetzt wird, ist Truzzis Einordnung aber sicher falsch, denn wie wir oben gesehen haben, muss die Urteilsenthaltung vom Irrtumsvorbehalt unterschieden werden.

Robert Carroll58 bemerkt59, dass die Schlussfolgerung, die Truzzi und sein Koautor in "The Blue Sense: Psychic Detectives and Crime" zögen, typisch für ihn seien: Nach über hundert Seiten Belegen für Täuschung und Selbsttäuschung bei den Hellsehern zögen sie das Resümee, dass vielleicht doch noch irgendwo jemand mit hellseherischen Fähigkeiten existiere. Carroll stimmt dem zwar zu und morgen könne die Sonne auch im Westen aufgehen, für derartige Annahmen gebe es aber dennoch keinen hinreichenden Anlass. Anhand der ausführlich dokumentierten Korrespondenz60 zwischen Martin Gardner61 und Marcello Truzzi lassen sich die unterschiedlichen Positionen nachvollziehen. Ray Ward bemerkt in seiner Rezension62, dass Truzzi wohl zu schnell zu dem Schluss komme, dass es da ein Geheimnis gebe, das nun gelöst werden müsse, während Gardner frage, ob es da überhaupt ein Geheimnis gebe oder eher nur ein Artefakt in den Daten.

Des weiteren wird auch die Parapsychologin Susan Blackmore63 zitiert64, die es als Pseudoskeptizismus kritisiert, wenn einige Anhänger der Skeptikerbewegung empirische Untersuchungen für verzichtbar halten, da sie die Ergebnisse schon vor aller Erfahrung zu kennen glauben.65 Allerdings ist das, was Blackmore bemängelt, nach Ray Hyman ohnehin "ill-considered criticism".66 Nach Carl Sagan gibt es in der Skeptikerbewegung - wie überall sonst auch - menschliche Unvollkommenheit.67 Die investigative Arbeit von Blackmore wird im übrigen in der Skeptikerbewegung geschätzt, was die Verleihung des "CSICOP Distinguished Skeptic Award" an Blackmore veranschaulicht.68 Nach 25 Jahren gab Blackmore die experimentelle Untersuchung des Paranormalen schließlich auf, da sie nicht mehr erwartete, noch Belege für paranormale Effekte zu finden.69

- Anomalistik versus Mainstream-Wissenschaft

Nach Truzzi70 untersucht die Anomalistik "angebliche außergewöhnliche Ereignisse, die durch gegenwärtig akzeptierte wissenschaftliche Theorien nicht erklärbar scheinen". An anderer Stelle71 erläutert Truzzi diese Nichterklärbarkeit als "lack of fit with [an] accepted theory". Das Fehlen einer Passung unterscheidet Truzzi dort jedoch72 vom Widerspruch. Es leuchtet aber nicht ein, warum eine fehlende Passung kein Widerspruch sein soll, denn das außergewöhnliche Ereignis wird ja durch die Theorie gerade ausgeschlossen.

Des weiteren differenziert Truzzi73 zwischen verschiedenen Typen außergewöhnlicher Ereignisse bzw. Anomalien: abnormale Ereignisse sind selten aber erklärbar, paranormale Ereignisse widersprechen aktuellen wissenschaftlichen Theorien, sind aber nicht übernatürlich verursacht.74 Die Anomalistik beschäftigt sich dezidiert mit dem Paranormalen. Truzzi teilt dieses Fachgebiet noch in zwei Unterbereiche auf: Kryptowissenschaften untersuchen außergewöhniche Dinge, wie Bigfoot oder UFOs, während Parawissenschaften außergewöhnliche Prozesse oder Beziehungen zwischen gewöhnlichen Dingen thematisieren, wie etwa Telepathie oder astrologische Korrelationen. Die in den Parawissenschaften studierten Effekte - hier mit dem Buchstaben Ψ bezeichnet - widersprechen gut bewährten Naturgesetzen oft und deutlich.

Die Anomalistik unterscheidet sich vom wissenschaftlichen Mainstream. Unter dem letzteren Begriff sei im Folgenden die Hauptströmung der Wissenschaft verstanden, innerhalb der sich der Wandel erfolgreicher Wissenschaft ereignet. Der Begriff Anomalie75 wird auch im Mainstream gebraucht. Dabei fallen sogleich76 Anomalien auf, wie die Dichteanomalie des Wassers, quantenfeldtheoretische Anomalien, astronomische Winkel-Anomalien, geowissenschaftliche Schwereanomalien, geologische Strukturanomalien oder meteorologische Anomalien, die bereits theoretisch erklärt sind. Die Wiki-Liste der ungelösten Probleme der Physik77 enthält immerhin ca. 80 Punkte, der Begriff Anomalie taucht dort aber nur 5 mal78 auf, wobei es sich zum Teil auch schlicht um Messfehler handelt (wie bei den vermeintlich überlichtschnellen Neutrinos). Es gibt aber auch Forschungsprogramme, wie das Experiment "Large Hadron Collider beauty"79, in deren Rahmen aktiv nach Effekten gesucht wird, die laut Standard-Modell der Physik nicht vorkommen dürften.

Anomalien im Sinne von "im Widerspruch zur Standard-Theorie stehend" betreffen im Mainstream aktuell vor allem die mikrophysikalische und die astronomische Ebene, d.h. die kleinsten und die größten Dimensionen, während die Disziplin Anomalistik nach paranormalen Ereignissen eher in der mittleren Dimension sucht. Die Forscher am LHCb-Experiment verstehen sich allerdings nicht als Anomalistiker, sondern als Physiker, obwohl sie durchaus nach anomalen Zerfallsereignissen suchen. Das liegt am bereits bestehenden, äußerst erfolgreichen Theoriegebäude der Physik. Im Gegensatz dazu ist die Anomalistik durch das praktisch völlige Fehlen80 einer positiven Theorie gekennzeichnet, so dass nur die Suche nach dem Paranormalen verbleibt.

Prüft man nun die Art der in der Anomalistik betrachteten Anomalien81, so fällt auf, dass es sich dabei offenbar primär um Berichte, Effekte oder Objekte handelt, deren Faktizität regelmäßig ganz erheblich in Frage82 gestellt wird, wie Wünschelrutengehen, Astrologie, Hellsehen, Psychokinese, Reinkarnation, Spuk usw.

Im Mainstream haben möglichst exakte apparategestütze Messungen immer wieder einen theoretischen Wandel befördert, wobei ältere Theorien oft noch als unter bestimmten Randbedingungen brauchbare Näherungslösungen83 erhalten bleiben. Die Anomalistik führt in ihrem Namen zwar die Anomalie, die nach Thomas Kuhn einen schubweise verlaufenden wissenschaftlichen Wandel im Mainstream auslöst. Trotz intensiver Beschäftigung mit (behaupteten) anomalen Vorkommnissen entstand innerhalb der Fachrichtung der Anomalistik bislang aber noch überhaupt keine erfolgreiche Theorie, so dass die Anomalistik praktisch keinen Einfluss auf die Theorieentwicklung genommen hat.

Bei genauem Hinsehen stellt sich die Anomalistik schlicht als neuere Bezeichnung für Grenzwissenschaft84 heraus, die von jeher erheblich vom wissenschaftlichen Mainstream abweicht. Der wissenschaftliche Wandel ereignete sich im Mainstream, die Anomalistik tritt bisher auf der Stelle.85

- "Kein Ψ" als Standardhypothese der Mainstream-Wissenschaft

Wenn "außergewöhnliche Ereignisse" sich nicht "gewöhnlich", d.h. mittels bewährter wissenschaftlicher Konzepte erklären ließen, sei es - so Truzzi - wissenschaftlich angemessen auf "außergewöhnliche Erklärungen" zurückzugreifen. Wenn etwa eine Versuchsperson sensorisch unzugängliche Informationen replizierbar überzufällig errate, sei ein paranormaler Psi-Prozess wie Telepathie durchaus als adäquate Erklärung für diesen Effekt zu betrachten.86 Für den Begriff des Paranormalen, hier mit Ψ abgekürzt, gibt es aber keinerlei positive Charakterisierung87. Ψ ist daher etwas, was zu irgendwelchen naturgesetzinkompatiblen88 ("außergewöhnlichen") Ereignissen führt.

Wir vergleichen nun zwei Grundannahmen:

  • N sei die Hypothese "es gibt nur naturgesetzförmige Ereignisse" und
  • P sei die Hypothese "es gibt Ψ".

Aus der Annahme P folgt ¬N, die Negation von N, also "es gibt nicht nur naturgesetzkonforme Ereignisse". Aus N folgt wiederum ¬P. Kurz: Es gilt P ⇒ ¬N sowie N ⇒ ¬P. Aus ¬N folgt aber nicht P, denn es könnte auch andere (etwa supranatürliche Σ) Anlässe für fehlende Naturgesetzlichkeit geben. N und P sind zu einander konträre89 Annahmen.

Die Hypothese P ist daher mit dem Ansatz der Mainstream-Wissenschaft nicht verträglich, denn dort setzt man N voraus. Bei naturwissenschaftlichen Experimenten nimmt man kaum an, dass jemand per Psychokinese90 eine Messwertanzeige verfälschen oder per Präkognition die Verblindung91 unterlaufen kann. Aus der Voraussetzung der Naturgesetzlichkeit N und der Anwendbarkeit der klassischen Logik, d.h. der Annahme, dass nicht sowohl eine Aussage als auch ihre Negation adäquat sein können, entsteht nämlich implizit ¬P als die Standard-Hypothese der Mainstream-Wissenschaft: "Es gibt kein Ψ."

Bei ¬P handelt es sich um eine negative Existenzaussage, welche nach Truzzi bewiesen werden müsste, was aber nicht funktioniert, da sie schon aus strukturellen Gründen nicht bewiesen, sondern nur widerlegt werden kann. Der Versuch der Umkehrung der Beweislast scheitert daher, es liegt an den Parapsychologen bzw. Anomalistikern überzeugende Belege für Ψ beizubringen, was aber in den letzten 130 Jahren noch nicht gelang92. Solange Ψ nicht bewiesen sei, gesteht auch Truzzi der Wissenschaft zu, dass sie "just goes on using the established theories of 'conventional science' as usual."93 Das impliziert aber die Hypothese N und damit indirekt ¬P.

Die Annahme N der Naturgesetzlichkeit und damit auch die Wissenschaft könnte freilich empirisch scheitern. U.a. auch im Rahmen technischer Anwendungen hat sich N aber immerhin millionenfach empirisch bewährt und wird daher nicht nur aufgrund apriorischer Lehnstuhlüberlegungen, sondern gerade wegen ihrer Bewährung in der Erfahrung vorausgesetzt. So ist Truzzi durchaus zuzustimmen, wenn er resümiert: "Absolute truth [...] is seldom obtainable. We can only do our best to approximate them."94 Die bislang verfügbare Approximation besagt aber, dass die Hypothese N der Naturgesetzlichkeit sich gut bewährt hat, während die dazu konträre Annahme P des Paranormalen kaum belegt ist.

- Naturgesetzlichkeit für die Wissenschaft notwendig?

Der "undogmatische" und "agnostische" Wissenschaftler sollte Ψ oder Σ nicht ausschließen. Eine streng skeptische Annahme A lautete daher: Ereignisse sind entweder naturgesetzkonform oder stehen außerhalb jeder Naturgesetzlichkeit, d.h. können paranormal oder supranatural sein. Taugt dies als wissenschaftliche Arbeitshypothese?

Gehen wir davon aus, dass eine naturgesetzliche Theorie T unter der allgemeinen Voraussetzung A experimentell getestet werden soll. Die Ergebnisse können nun wie von der Theorie T vorhergesagt sein oder auch nicht:

  • Im ersten Fall hätte sich die Theorie T zwar anscheinend bewährt, dies brauchte aber nicht an der Theorie T zu liegen, sondern könnte auch aufgrund einer unbekannten Ψ-Wirkung zustande gekommen sein.
  • Analog können wir wegen A im zweiten Fall auch nicht auf ein Versagen der Theorie T oder experimentelle Fehler schließen, denn es könnte sich wieder um einen Ψ-Effekt gehandelt haben, welcher die Theorie T überlagerte.

Anders formuliert: Die Annahme A ist mit beliebigen Ereignissen in der Welt vereinbar und daher völlig kritikimmun. A kann empirisch nicht scheitern und taugt daher nicht als generelle Arbeitshypothese. Aus A lässt sich schließlich nichts ableiten, was der Fall sein muss oder was nicht der Fall sein darf. Die stärkere Annahme N der universellen Naturgesetzlichkeit kann jedoch praktisch scheitern, wenn starke Phänomene auftauchen, die sich naturgesetzlich nicht fassen lassen. N hat empirischen Gehalt, denn nicht alle vorstellbaren Ereignisse sind auch naturgesetzkompatibel. Wenn etwa der radioaktive Zerfall von Radium plötzlich nicht mehr zufällig, sondern im Rumba-Rhythmus erfolgte, wäre die These N äußerst fragwürdig geworden.

Naturgesetzlichkeit lässt sich auch nicht einfach dadurch mit beliebigen Vorkommnissen in Einklang bringen, dass es möglich ist, jede beliebige Ereignisfolge im Nachhinein irgendwie formal zu beschreiben. Es kommt vielmehr darauf an, dass sich aus Naturgesetzen mögliche und unmögliche zukünftige Ereignisse ableiten lassen. Wenn letzteres nicht (mehr) gelingt, scheitert mit dem Konzept der Naturgesetzlichkeit auch die Wissenschaft, die dieses Konzept voraussetzt.

Wer Naturgesetze ernsthaft anzweifelt oder sich eines Urteils hierüber vollständig enthält, sollte eigentlich weder einen Computer benutzen noch Auto fahren, geschweige denn ins Flugzeug steigen.

Naturgesetzlichkeit als metatheoretische Voraussetzung

Die Naturgesetzlichkeit aller direkt erfahrbaren oder indirekt erschließbaren nicht aber aller imaginierbaren Vorgänge in unserem Universum stellt ein metatheoretisches Postulat dar, da es unabhängig von konkreten Naturgesetzen formuliert ist. Bei der Naturgesetzlichkeit handelt es sich daher um eine metaphysische Voraussetzung. Manchmal wird versichert, dass Wissenschaft völlig unabhängig von metaphysischen Voraussetzungen sei, denn Metaphysik sei schließlich nicht empirisch prüfbar, wissenschaftliche Theorien aber schon.

Bislang konnte jedoch noch nicht erläutert werden, wie denn empirische Wissenschaft, die von der Welt handelt und die mehr sein soll als bloße Nacherzählung subjektiver Erlebnisse oder praktische Lebensbewältigung, ohne die Voraussetzung der Naturgesetzlichkeit überhaupt möglich sein soll. Wenn nämlich erst einmal naturgesetzinkompatible Effekte etabliert sind, so sind diese nicht eindämmbar, wie wir im letzten Abschnitt gesehen haben, da es schließlich keine positive Theorie über das nicht Naturgesetzliche geben kann. In anderen Worten: Ohne Naturgesetzlichkeit lassen sich Vorkommnisse weder ausschließen noch vorhersagen, d.h. alles ist möglich.

Schließlich lässt sich die Naturgesetzlichkeit der Welt zwar nicht direkt prüfen, sie steht aber indirekt ständig auf dem Prüfstand. Wenn sich beispielsweise das Verhalten physischer Systeme auf kapriziöse Weise plötzlich und deutlich wahrnehmbar so veränderte, dass eine erhebliche Abweichung zu bislang ausgezeichnet bewährten Naturgesetzaussagen entstünde, so erwiese sich das aktuelle wissenschaftliche Weltmodell zumindest als grob unvollständig. Mit dem Weltmodell wären dann auch seine logischen Voraussetzungen äußerst fragwürdig geworden. Die (vorläufige) Annahme der Naturgesetzlichkeit der Welt ist somit zwar nicht letztbegründet oder direkt prüfbar aber wissenschaftlich notwendig und indirekt kritisierbar.

Resümee

Bis jetzt steht kein Verfahren zur Verfügung, mit dem sich Aussagen über die Welt apodiktisch letztbegründen ließen. Daher bleibt das Wissen über die Welt fehlbar. Dies hat zur Entwicklung skeptizistischer Haltungen geführt. Grob lassen sich zwei Arten der Skepsis unterscheiden:

  1. Die pyrrhonische Skepsis argumentiert dafür, sich bei allen Aussagen über die Welt vollständig des Urteils zu enthalten, solange ihre Letztbegründung fehlt.
  2. Die fallibilistische Skepsis betont zwar die Irrtumsanfälligkeit wissenschaftlicher Aussagen, lässt aber vorläufige Urteile hinsichtlich empirisch bewährter Hypothesen oder Theorien zu.

Die pyrrhonische Haltung ist mit dem Betreiben von Wissenschaft inkompatibel, denn Wissenschaft bleibt nach ihrer Voraussetzung erfolglos, solange eine Letztbegründungsmethode fehlt. Die gemäßigtere fallibilistische Skepsis ist mit Wissenschaft verträglich, da sie das Konzept der (vorläufigen) Bewährung enthält, so dass noch etwas bleibt, um weiterzuarbeiten.

Der zweite Ansatz ist der des kritischen Rationalismus. Er verzichtet auf Letztbegründung und setzt stattdessen auf Versuch und Irrtum bzw. Konstruktion und Kritik. Durch Kritik und empirische Prüfung lassen sich immerhin Fehler aufzeigen, so dass es durch einen Prozess der wiederholten Fehlerbeseitigung prinzipiell möglich ist, leistungsfähigere Hypothesen und Theorien zu entwickeln.

Die Skeptikerbewegung knüpft ebenfalls an den Begriff der Skepsis an. Hierbei handelt es sich um ein Netzwerk von Personen, die sich kritisch mit außergewöhnlichen Behauptungen auseinandersetzen, die von diversen naturgesetzinkompatiblen Effekten handeln, wie etwa Homöopathie, Wünschelrutengehen, Astrologie, Parapsychologie etc. In der Skeptikerbewegung wird mangels besserer Alternativen eine wissenschaftliche Methodik (kritische Analyse und experimentelle Prüfung) vertreten. Sie steht daher nicht der pyrrhonischen, sondern der fallibilistischen Skepsis nahe.

Der Begriff "Pseudoskepsis" legt nahe, dass es eine generelle Übereinkunft darüber gibt, was unter Skepsis zu verstehen ist und was nicht. Diese Übereinkunft existiert aber nicht. Wenn nun der Begriff Pseudoskepsis ohne nähere Erläuterung verwendet wird, lässt sich daraus lediglich ableiten, dass damit alles außer der stärksten Form der Skepsis, d.h. der pyrrhonischen, gemeint sein kann.

In der Praxis wird der Begriff Pseudoskepsis unterschiedlich gebraucht. Zum einen handelt es sich um eine Bezeichnung für die schlichte Leugnung gut belegter Fakten, wie AIDS, Klimawandel etc. Davon zu unterscheiden ist die Kritik an der Skeptikerbewegung, bei der es vor allem um negative Aussagen über unbelegte paranormale Effekte geht:

  • So wird etwa bemängelt, dass paranormale Ereignisse wegen der immer noch fehlenden Existenzbelege sowie ihrer Unverträglichkeit mit den Naturgesetzen hypothetisch (und nicht etwa apodiktisch) ausgeschlossen würden. Diese Kritik vernachlässigt die lange ergebnislose experimentelle Suche nach derartigen Effekten. Auch Preisgelder in beträchtlicher Höhe für eine praktische Demonstration paranormaler Fähigkeiten führten nicht zum Erfolg.95 Alle Probanden scheiterten bislang. Die Praxis der Überprüfungen wird fortgesetzt.96
  • Des weiteren wird gelegentlich gefordert, dass die Unmöglichkeit paranormaler Vorkommnisse bewiesen werden müsse. So lange dies nicht geschehen sei, gälten diese weiter als möglich. Die Nichtexistenz nicht näher qualifizierter Effekte lässt sich aber schon aus prinzipiellen Gründen nicht belegen, geschweige denn beweisen. Die propagierte Beweislastumkehr ist daher unangemessen.

In diesem Zusammenhang stellt sich auch die Frage, ob als metatheoretische wissenschaftliche Arbeitshypothese die strenge Naturgesetzlichkeit der Welt unterstellt werden muss oder ob auch die Möglichkeit beliebiger naturgesetzinkompatibler Effekte zugelassen werden kann. Die zweite Annahme erweist sich jedoch als völlig kritikimmun, da sie mit beliebigen Ereignissen vereinbar ist. Die erste Annahme ist hingegen kritisierbar, denn sie kann prinzipiell scheitern, wenn starke Phänomene auftauchen, die sich naturgesetzlich nicht fassen lassen.

Der kritische Rationalismus bevorzugt starke Thesen, die möglichst viel vorhersagen und ausschließen. Nur so lassen sich Irrtümer in den Thesen auffinden und korrigieren. Thesen, die mit Beliebigem vereinbar sind, können prinzipiell nicht scheitern. Sie sind leer und deswegen untauglich.


  1. Zweite Version, die gegenüber der ersten Version nur leicht erweitert ist. ↩︎

  2. Armando Cíntora: "Miller's Defence of Bartley's Pancritical Rationalism", SORITES 15, 2004, S.50-55, html, pdf↩︎

  3. "Münchhausen-Trilemma", de.wikipedia.org. Enthält drei der "fünf Tropen des Agrippa", en.wikipedia.org↩︎

  4. Apel und Hösle behaupten die Widersprüchlichheit des Münchhausen-Trilemmas, welches aussagt, dass Begründungsverfahren im Dogmatismus, im unendlichen Regress oder im logischen Zirkel enden müssten. Siehe dazu Karl-Otto Apel: "Auseinandersetzungen in Erprobung des transzendentalpragmatischen Ansatzes", Suhrkamp 1998, S.166-179 sowie Vittorio Hösle: "Die Krise der Gegenwart und die Verantwortung der Philosophie" Beck, 1997, S.153-155. ↩︎

  5. Letztbegründung, Wikipedia↩︎

  6. "Skeptizismus", Wikipedia, deutsch, englisch↩︎

  7. "Zetetik", Wikipedia, deutsch, englisch↩︎

  8. "Skepsis", duden.de↩︎

  9. "Agnostizismus", Wikipedia↩︎

  10. "Epoché", Wikipedia↩︎

  11. In den folgenden Videos wird eine radikal skeptische Haltung demonstriert: "Doubting 'I Think Therefore I Am' (The Cogito)", youtu.be, "How to Doubt Absolutely Everything (Complete Skepticism)", youtu.be. Auf Facebook existiert eine Gruppe "Pyrrhonism", die im Juni 2018 über 1000 Mitglieder hatte. Facebook-Gruppen sind leider ohne Registrierung nicht sichtbar. ↩︎

  12. "Solipsismus", Wikipedia, deutsch, englisch↩︎

  13. Wenn Kohärenz nicht notwendig ist, so hat es auch weiter keine Relevanz, wenn etwa, wie bei Stephen Thornton in "Solipsism and the Problem of Other Minds", feststellt wird, dass der Solipsismus inkohärent sei. Abgesehen davon, beruht auch der Schluss auf Inkohärenz wiederum auf Prämissen, die einfach abgelehnt werden können. ↩︎

  14. "Diogenes Laertios", Wikipedia↩︎

  15. Siehe "Pyrrhon von Elis - Leben", Wikipedia und Richard Bett: "Reports on Pyrrho's Demeanor and Lifestyle", Stanford Encyclopedia of Philosophy, 2014. ↩︎

  16. "Pyrrhonische Skepsis", Wikipedia↩︎

  17. Deutsche Übersetzung nach Rosario La Sala: "Des Skeptikers Klugheit", in Gerhard Ernst (Hrsg.): "Philosophie als Lebenskunst - Antike Vorbilder, moderne Perspektiven", Suhrkamp, 2016, S.209. Englische Übersetzung von Richard Bett in "Ancient Skepticism" von Katja Vogt, Stanford Encyclopedia of Philosophy, 2016. ↩︎

  18. "Ataraxie in der pyrrhonischen Skepsis", Wikipedia↩︎

  19. "Even though he discussed tranquility and adherence to appearances, Pyrrho was arguably no Pyrrhonian skeptic (Richard Bett: "Pyrrho, his Antecedents, and his Legacy", Oxford University Press, 2000, 14-62). That is, it is likely that he put forward a dogmatic position, in the sense that he had positive philosophical views about the character of reality.", in Katja Vogt: "Ancient Skepticism", Stanford Encyclopedia of Philosophy, 2016). ↩︎

  20. "Arkesilaos", Wikipedia↩︎

  21. "Arcesilaus" in Katja Vogt: "Ancient Skepticism", Stanford Encyclopedia of Philosophy, 2016. ↩︎

  22. Sextus Empiricus: "The Skeptic simply goes along with the appearance just as 'a child is persuaded by [...] his teacher.'", Wikipedia, aus Sextus Empiricus: "Pyrrhoniae Hypotyposes 1" (Grundriss der pyrrhonischen Skepsis Buch 1). ↩︎

  23. "Skeptikerbewegung", Wikipedia, "Skeptical movement", Wikipedia↩︎

  24. "Scientific skepticism", Wikipedia↩︎

  25. Carl Sagan: "Wonder and Skepticism", Skeptical Inquirer Volume 19.1, 1995 csicop.org und "The Skepticism of Carl Sagan", centerforinquiry.net↩︎

  26. "Kein wahrer Schotte", Wikipedia↩︎

  27. "Semantic change", en.wikipedia.org, "Bedeutungswandel", de.wikipedia.org↩︎

  28. "Sprachnörgler", scilogs.spektrum.de↩︎

  29. "Conventions of language", in Michael Rescorla: "Convention", Stanford Encyclopedia of Philosophy, 2017. ↩︎

  30. "Pseudo-", duden.de↩︎

  31. "Etymological fallacy", Wikipedia↩︎

  32. Sprich pyʀɔn̩eːɐ (püronnee-er). Auch Pyrrhöner, Pyrrhönier oder Pyrrhoniker. ↩︎

  33. "Aenesidemus - Pyrrhoneia", Wikipedia, "Pyrrhon von Elis - Abgrenzung zur Akademischen Skepsis", Wikipedia, Peter Klein: "Two Basic Forms of Philosophical Skepticism", Stanford Encyclopedia of Philosophy, 2015. ↩︎

  34. "Fallibilismus", Wikipedia. "We are all fallibilists now, but we are not all skeptics, or antirealists or nihilists. Most of us think inquiries can and do progress even when they fall short of their goal of locating the truth of the matter. We think that an inquiry can progress by moving from one falsehood to another falsehood, or from one imperfect credal state to another.", aus Graham Oddie: "Truthlikeness", Stanford Encyclopedia of Philosophy, 2016. ↩︎

  35. Diese Kritik am radikalen Skeptizismus ist bereits aus der Antike bekannt. Siehe "Karneades von Kyrene", "Plausibilität und Handlungsmodell", Wikipedia↩︎

  36. Mario Bunge: "Skeptisches zum Skeptizismus", Skeptiker 1, 2000, gwup.org↩︎

  37. Hierbei wird die klassische Logik unterstellt, die widersprüchliche Aussagen nicht zulässt. ↩︎

  38. Karl Popper hat in "Logik der Forschung", 10. Auflage, 1994, Mohr, S.378 darauf hingewiesen, dass sich auch Aussagen über Einzelgegenstände nicht verifizieren lassen, denn "selbst gewöhnliche singuläre Sätze sind stets Interpretationen der 'Tatsachen' im Lichte von Theorien. (Und das gilt sogar für die jeweiligen 'Tatsachen'. Sie enthalten Universalien, und wo Universalien gelten, liegt immer gesetzmäßiges Verhalten vor.)" Das berührt jedoch nicht die hier betrachtete logische Struktur der Aussagen. ↩︎

  39. "Kritischer Rationalismus", Wikipedia↩︎

  40. Wissenschaftliche Rückschläge sind etwa durch den Einfluss religiöser oder politischer Gruppen möglich. So wurde 2017 beispielsweise die Evolutionstheorie aus den Lehrplänen in der Türkei gestrichen. Siehe:
    "Aufschrei über Streichung von Evolutionstheorie", 11.07.2017, faz.net,
    "Türkei streicht die Evolution aus dem Lehrplan", 23. Juni 2017, zeit.de,
    "Darwin verschwindet aus türkischen Schulbüchern", 23.06.2017, welt.de,
    "Erdogan streicht Evolutionslehre aus türkischen Lehrplänen", 23. Juni 2017, sueddeutsche.de,
    "Re-Islamisierung in der Türkei", Wikipedia↩︎

  41. Thomas S. Kuhn (1969) führte die Begriffe "normale" und "außerordentliche" Wissenschaft ein. Bei der 1. Variante geht es nach Kuhn nicht um theoretische Neuerungen, sondern nur um die Feststellung von Tatsachen, die genauere Erfassung spezieller experimenteller Nebenbedingungen oder die bessere Darstellung von Theorien. Nur in einer Phase der "außerordentlichen" bzw. "revolutionären" Wissenschaft kommt es gemäß Kuhn zur Entwicklung modifizierter oder neuer Theorien.

    Im Rahmen dieses Beitrags spielt es keine Rolle, ob die Dynamik des Wissenschaftsprozesses homogen, diskontinuierlich oder als komplexe Mischform verläuft. Wesentlich ist hier nur, ob eine Korrektur theoretischer Irrtümer historisch stattfand und auch zukünftig möglich erscheint.

    In diesem Zusammenhang ist die These Kuhns relevant, dass konkurrierende Theorien angeblich inkommensurabel, d.h. unvergleichbar seien. Die Inkommensurabilitätshypothese wurde praktisch nicht akzeptiert und wird bis heute stark kritisiert. Einige Verwirrung hat Kuhn gestiftet, als er nicht zwischen Welt und Weltsicht (siehe Kuhn, 1969, S.161 sowie Hoyningen-Huene, 1990) unterschied. Kuhn schwächte sein Inkommensurabilitätspostulat später ab, sprach nur noch von "lokaler" Inkommensurabilität und gab zu, dass letztere einen Leistungsvergleich konkurrierender Theorien nicht prinzipiell verhindere.

    • Thomas S. Kuhn bei Wikipedia.
    • Thomas S. Kuhn, "Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen", Suhrkamp, 2. revidierte Auflage, 1969.
    • Paul Hoyningen-Huene: "Inkommensurabilität bei Kuhn und Theorienvergleich", in E. Agazzi (Hrsg.): "Die Vergleichbarkeit wissenschaftlicher Theorien", Universitätsverlag, Freiburg 1990, S.97-108.

    ↩︎

  42. Mit "Faktenleugnung" soll der englische Begriff "denialism" übersetzt werden. Im Deutschen wird auch der Anglizismus "Denialismus" verwendet. ↩︎

  43. "Denialism", Wikipedia, rationalwiki.org↩︎

  44. "AIDS denial", Wikipedia↩︎

  45. "Holocaust denial", Wikipedia↩︎

  46. "Climate change denial", Wikipedia↩︎

  47. Flat earth: "Is this site a joke?", in den FAQ von tfes.org vom 24.7.2018, archive.org. In späteren Versionen der FAQ fehlt diese Frage. ↩︎

  48. Zetetizismus bei der Flat Earth Society, tfes.org↩︎

  49. Flat Earth Society, Wikipedia; Psiram; Ralf Nowotny: "Die Flachwelt-Theorie", Skeptiker 31, Heft 1, 2018, S.4-8, gwup.org↩︎

  50. Pascal Diethelm und Martin McKee: "Denialism: what is it and how should scientists respond?", European Journal of Public Health 19(1), 2009, S.2-4, academic.oup.com↩︎

  51. Marcello Truzzi and Pseudoskepticism, Wikipedia↩︎

  52. Marcello Truzzi: "Editorial - On Pseudo-Skepticism", Zetetic Scholar 12&13, 1987, S.3, PDF, HTML↩︎

  53. Marcello Truzzi, Wikipedia↩︎

  54. Marcello Truzzi: "Zeteticism" as an alternative to "skepticism", Wikipedia, Truzzis Zeitschrift "Zetetic Scholar", tricksterbook.com↩︎

  55. Der Duden definiert "paranormal" als "nicht auf natürliche Weise erklärbar". Jedoch ist hier "übernatürlich" als Synonym angegeben. Truzzi unterscheidet jedoch ausdrücklich "paranormal" von "übernatürlich" (supranatural). Siehe auch Wikipedia "paranormal" und Wikipedia "Category:Paranormal"↩︎

  56. Der Buchstabe Ψ wird im Folgenden als bequeme Abkürzung für alle paranormalen Effekte gebraucht. Es sind hierbei nicht nur (wie traditionell üblich) hypothetische psychische Fähigkeiten gemeint, sondern alle behaupteten paranormalen Effekte, die im Widerspruch zu bewährten wissenschaftlichen Theorien stehen. Nach dieser Definition sind auch in der Astrologie und Homöopathie paranormale Effekte präsent. ↩︎

  57. "I find its practical function in avoiding dogmatism is most valuable. [...] But perhaps most important of all, I find this form of skepticism congruent with the fallabilism of modern philosophies" auf S.8 in Marcello Truzzi: "Zetetic ruminations on skepticism and anomalies in science", Zetetic Scholar 12&13, 1987, S.7-20, PDF↩︎

  58. Robert Todd Carroll, Wikipedia↩︎

  59. Robert T. Carroll über Truzzi: "Typical of Marcello's approach to paranormal subjects is the conclusion he and co-author Arthur Lyons drew in The Blue Sense: Psychic Detectives and Crime (New York: The Mysterious Press, 1991). After hundreds of pages of evidence of deception and self-deception by so-called psychic detectives, they concluded that there still might be some psychic somewhere who has genuine paranormal abilities. True. And the sun might rise in the west tomorrow, but what are the odds?", skepdic.com↩︎

  60. Dana Richards (Hrsg.): "Dear Martin / Dear Marcello: Gardner And Truzzi On Skepticism", World Scientific Publishing Company, 2017, 492 Seiten. ↩︎

  61. Martin Gardner on Pseudoscience and skepticism, Wikipedia↩︎

  62. Ray Ward: "The Martin Gardner Correspondence with Marcello Truzzi", Sceptical Inquirer, Vol. 41.6, Nov/Dec 2017, S.57-59. ↩︎

  63. Susan Blackmore, Wikipedia, deutsch, englisch↩︎

  64. "Pseudoskepticism" in "Skeptical movement", Wikipedia↩︎

  65. "There are some members of the skeptics' groups who clearly believe they know the right answer prior to inquiry. They appear not to be interested in weighing alternatives, investigating strange claims, or trying out psychic experiences or altered states for themselves (heaven forbid!), but only in promoting their own particular belief structure and cohesion ... I have to say it - most of these people are men. Indeed, I have not met a single woman of this type." Aus Susan Blackmore: "Women skeptics", in L. Coly & R. White (Hrsg.): "Women and parapsychology"*, S.234-236, New York, Parapsychology Foundation, S.235. ↩︎

  66. Ray Hyman: "Proper criticism", csicop.org↩︎

  67. Carl Sagan über Kritik an CSI, Wikipedia↩︎

  68. Susan Blackmore und der CSICOP Distinguished Skeptic Award, Wikipedia, skepticalinvestigations.org↩︎

  69. "Why I have given up", susanblackmore.co.uk↩︎

  70. Marcello Truzzi: "Was ist Anomalistik?", anomalistik.de, archive.org ursprünglich veröffentlicht in W.F. Williams (Hrsg.): "Encyclopedia of Pseudoscience", Facts on File, 2000. Eine Rezension dieser Enzyklopädie siehe David Bloomberg: "Encylopedia of Pseudoscience a Terrible Reference", 10 Juli 2002, archive.org↩︎

  71. Marcello Truzzi: "Zetetic ruminations on skepticism and anomalies in science", Zetetic Scholar 12&13, 1987, S.7-20, PDF ↩︎

  72. Truzzi: "Zetetic ruminations", S.13. ↩︎

  73. Marcello Truzzi: "Editorial - A Word on Terminology", Zetetic Scholar 1, No. 2, 1978, S.64-65, PDF↩︎

  74. Die dort auch genannten außernatürlichen ("preternatural") Ereignisse spielen hier praktisch keine Rolle. ↩︎

  75. "Anomalie (allgemein)", Wikipedia↩︎

  76. "Anomalie (Begriffsklärung)", Wikipedia↩︎

  77. "List of unsolved problems in physics", Wikipedia↩︎

  78. "Anomales magnetisches Dipol-Moment",
    "Flyby-Anomalie",
    "Überlichtschnelle Neutrinos",
    "Pleyaden-Distanz-Anomalie",
    "Pioneer-Anomalie"↩︎

  79. Guy Wilkinson: "Standardmodell - Schöne neue Teilchenwelt", Spektrum der Wissenschaft 2.18, 2018, S.12-19. "Experiment Large Hadron Collider beauty", Wikipedia↩︎

  80. Das von Lucadou entwickelte "Modell der pragmatischen Information" ist eher ein Instrument zur Kritikimmunisierung als eine positive Theorie. Siehe "Walter von Lucadou", psiram.com↩︎

  81. In Truzzis Lexikonartikel "Was ist Anomalistik?" findet man Parapsychologie, Kryptozoologie, Ufologie, Telepathie, Alternativmedizin und Hellsehen. Dort wird die "Society for Scientific Exploration" hervorgehoben, die sich u.a. um Wünschelruten, Neo-Astrologie, außersinnlicher Wahrnehmung und Kräften, Psychokinese, UFOs, Parapsychologie kümmert. Als innerhalb der Anomalistik besonders fortgeschritten nennt Truzzi die Parapsychologie, die u.a. Präkognition, Hellsehen, Psychokinese, Telepathie, Nahtodeserfahrungen, Reinkarnation, Geister-Erscheinungen als Unterthemen hat. An anderer Stelle nennt Truzzi als Beispiele für Anomalien kleine grüne Männer, fliegende Untertassen, Astrologie ("astrobiological correlation"), außersinnliche Wahrnehmung, Telepathie, Psychokinese, Dämonenbesessenheit, Schneemenschen, Vampire, Prophezeiungen, Loch-Ness-Monster, Einhörner und Bigfoot. Siehe Marcello Truzzi: "On the extraordinary: an attempt at clarification", Zetetic Scholar 1, No. 1, 1978, S.11-19, PDF↩︎

  82. "List of topics characterized as pseudoscience", Wikipedia↩︎

  83. "Korrespondenzprinzip", Wikipedia↩︎

  84. "Der Begriff wird praktisch als Alternativbegriff zu Para- und Kryptowissenschaften verwendet. Hier handelt es sich um Ideen, die eine wissenschaftliche Basis haben, bei denen ein allgemein akzeptierter Forschungserfolg aber noch ausständig ist." Aus "Grenzwissenschaft" von Wikipedia.
    "Fringe science is an inquiry in an established field of study which departs significantly from mainstream theories in that field and is considered to be questionable by the mainstream." Aus "Fringe science" von Wikipedia↩︎

  85. Dass sich die Anomalistik mit "außergewöhnlichen" Ereignissen beschäftigt, scheint eine gewisse Verwandtschaft zu Kuhns "außerordentlicher", d.h. zu theoretischem Wandel führender Wissenschaft nahe zu legen. Es gibt jedoch gravierende Unterschiede: Ob es die "außergewöhnlichen" Ereignisse, mit denen sich die Anomalistik beschäftigt, tatsächlich gibt, ist nämlich außerordentlich umstritten, was bedeutet, dass die Existenz der Untersuchungsgegenstände der Anomalistik abseits von Erzählungen massiv in Frage gestellt wird, während die intersubjektive Präsenz der Untersuchungsgegenstände im Mainstream kaum umstritten ist. In der Physik ist es z.B. nicht umstritten, dass es überzeugende Belege für Wechselwirkungen zwischen subatomaren Quanten gibt, während etwa das Vorhandensein parapsychologischer Effekte auch mehr als 130 Jahre nach Gründung der Society for Psychical Research immer noch höchst zweifelhaft erscheint. ↩︎

  86. "The orientation represented by Cell D [extraordinary event claim with extraordinary explanation] may commonly be viewed as the most 'far out,' but it is actually quite scientifically proper if all ordinary explanations for an established extraordinary event have been found inadequate. Thus, if a truly replicable psi experiment were produced that would convince any reasonable person that significant non-chance guessing scores took place, and if such any reasonable person could be convinced that all ordinary explanations are inadequate, an extraordinary explanation (such as that a psi process like telepathy was at work) could be invoked and considered to explain the extraordinary guessing scores." Siehe S.13 in Marcello Truzzi: "On the extraordinary: an attempt at clarification", Zetetic Scholar 1, No. 1, 1978, S.11-19, PDF↩︎

  87. James E. Alcock: "Give the null hypothesis a chance: reasons to remain doubtful about the existence of psi", in J.E. Alcock, J.E. Burns & A. Freeman (Hrsg.): "Psi wars: Getting to grips with the paranormal", Imprint Academic, Charlottesville, 2003, S.29-50. ↩︎

  88. Zwischen Naturgesetzen und Naturgesetzaussagen ist zu unterscheiden. Naturgesetzaussagen beziehen sich approximativ auf Naturgesetze, die auf irgendeine Weise unabhängig von den Aussagen bestehen müssen. Wären Naturgesetze und Naturgesetzaussagen nämlich identisch, so könnten die Aussagen schließlich gar nicht empirisch scheitern. Unter den Naturgesetzen kann man z.B. die regelhaften Muster im Verhalten der Dinge verstehen. Das berührt das Problem des Realismus; dieser Aspekt wird aber erst in einem weiteren Artikel behandelt. ↩︎

  89. Konträr sind zwei Aussagen genau dann, wenn beide zwar nicht zugleich wahr, jedoch zugleich falsch sein können. Es gilt (P ⇒ ¬N) = (¬P ∨ ¬N) = ¬(P∧N) sowie (N ⇒ ¬P) = (¬N ∨ ¬P) = ¬(P∧N). Siehe "Square of opposition" und "Kategorisches Urteil" auf Wikipedia. ↩︎

  90. Telekinese, Wikipedia↩︎

  91. Blindstudie, Wikipedia↩︎

  92. Inge Hüsgen und Wolfgang Hell: "Parapsychologie" auf gwup.org und Martin Mahner: "Der Tod der Parapsychologie", Skeptiker 2, 2010, gwup.org. Siehe auch Psiram und Wikipedia↩︎

  93. M. Truzzi: "On Pseudo-Skepticism", Zetetic Scholar 12&13, 1987, S.3, PDF, HTML↩︎

  94. M. Truzzi: "On Pseudo-Skepticism", Zetetic Scholar 12&13, 1987, S.3. ↩︎

  95. "One Million Dollar Paranormal Challenge", Wikipedia↩︎

  96. "Die mit 50000 Euro dotierte Homöopathie-Challenge", gwup.org, blog.gwup.net, ruhrbarone.de↩︎