Da in der Folge teilweise bestritten wurde, dass sich die von mir extrahierten Kernaussagen tatsächlich aus dem Originaltext ableiten lassen, gebe ich für jede nummerierte Kernaussage die entsprechende Passage aus dem Originaltext an.
Zunächst werden alle Passagen untersucht, die von Wirklichkeit, Welt oder Wissenschaft handeln:
herauszustellen, daß Kants diesbezügliche Grundüberlegung auch heute noch äußerste erkenntnistheoretische Relevanz hat -- kulminierend in der m.E. wohlbegründeten Differenzierung von 'Realität' hier und 'Wirklichkeit' dort
100: Wirklichkeit ist verschieden von Realität.
wiss. Modelle/Theorien usw. -- also wirklichkeitsbeschreibende Sachverhalte --
101: Wirklichkeit lässt sich durch Sachverhalte beschreiben.
Denn wiss. Modelle/Theorien usw. -- also wirklichkeitsbeschreibende Sachverhalte -- sind nicht subjektgeneriert (niemals!), sondern sie sind diskursiv und in Gemeinschaft teleologisch handelnd zustandegekommen (etwa, indem man sich Experimente ausdachte und dann aus den entsprechenden Beobachtungen Schlüsse zog, die schließlich in einer Theorie kulminierten). [...] Wenn wir von der Wirklichkeit i.S. Kants reden, so reden wir eben keinesfalls nur über tatsächliche subjektive Eindrücke [...], sondern genauso reden wir dabei eben auch über diskursiv generierte Konzepte, Modelle, Vorstellungen und Theorien.
102: Wirklichkeitsbeschreibende Sachverhalte sind durch wissenschaftliche Konzepte, Modelle, Vorstellungen und Theorien (kurz: durch die Wissenschaft) gegeben.
Hinweis: In 102 steht nicht "ausschließlich durch Wissenschaft gegeben" sondern nur "durch Wissenschaft gegeben". Mit "die Wissenschaft" führte ich eine Abkürzung (erkennbar an der Vokabel "kurz") für "wissenschaftliche Konzepte, Modelle, Vorstellungen und Theorien" ein.
Kaprizierst du dich dagegen auf das physikalische Modell von Licht (also auf einen Weltgegenstand/auf ein Objekt [hier in Form von optischen Theorien etc.]), wäre eine subjektabhängige Rekonstruktion möglich. Ich rede hier aber nicht umsonst im Irrealis, denn du irrst dich in dieser Auslegung sowieso! Begründung: Das Weltkonzept 'Licht' (etwa in Form physikalisch-optischer Theorien) ist ja sowieso nicht "subjektabhängig" in jenem Sinn, den Kant bei bestimmten Phänomenen, längst nicht bei allen!, im Auge hat und auf den du dich hier allein stützt:
103: Objekte physikalischer Theorien sind Weltgegenstände bzw. Weltkonzepte.
Denn wiss. Modelle/Theorien usw. -- also wirklichkeitsbeschreibende Sachverhalte -- sind nicht subjektgeneriert (niemals!), sondern sie sind diskursiv und in Gemeinschaft teleologisch handelnd zustandegekommen (etwa, indem man sich Experimente ausdachte und dann aus den entsprechenden Beobachtungen Schlüsse zog, die schließlich in einer Theorie kulminierten).
104: Wissenschaftliche Sachverhalte werden niemals durch Subjekte generiert.
105: Wissenschaft kommt durch zweckgerichtetes Handeln im Rahmen diskursiver Prozesse zustande.
Damit sei gesagt: Wenn wir von der Wirklichkeit i.S. Kants reden, so reden wir eben keinesfalls nur über tatsächliche subjektive Eindrücke (die es ja auch gibt -- etwa bei Wahrnehmungen usw.), sondern genauso reden wir dabei eben auch über diskursiv generierte Konzepte, Modelle, Vorstellungen und Theorien.
106: Wirklichkeit inkludiert sowohl subjektive Eindrücke als auch wissenschaftliche Sachverhalte.
Alles, restlos alles, was etwa mit dem Stempel "wissenschaftlich" versehen ist, entspringt genau dieser Art von Wirklichkeit. Wenn wir also darüber reden, etwa im Rahmen der Wahrnehmungspsychologie, wie Farben auf uns wirken oder im Rahmen der Optik und der Biologie, wie unser Farbensehen (zentralnervös betrachtet) entsteht, so reden wir nicht von der Realität (wir haben gar keine Ahnung, was "real vorgeht", wenn ein Farbeindruck qua Affektion entsteht), sondern wir reden dann über die Wirklichkeit des Farbensehens, also darüber, wie das unter heranziehen unserer Modelle erklärbar ist.
107: Wirklichkeit ist das, was unter Heranziehen unserer Modelle erklärbar ist.
Andersherum formuliert: Verfügten wir nicht über diese wirklichkeitsverbürgenden Modelle, könnten wir gar nichts erklären, weil es nämlich so ist, daß wir dann nichts in der Hand hätten, womit wir "etwas klar machen/erklären" könnten. Denn die Realität flüstert uns dazu nichts, gar nichts! Sie ist einfach wie sie ist.
108: Wirklichkeit wird durch wissenschaftliche Modelle verbürgt.
Im hiesigen Falle: Farbensehen hat statt ... und Ende Gelände! Was aber Farbensehen ist und wie es funktioniert ... erhellt kein noch so insistenter verbaler (!) Bezug auf die vermeintliche Realität. Das vermittelt schlagend die einfache Überlegung, daß uns unsere wiss. Modelle z.B. nahelegen, dem phänomenalen Eindruck -- also doch dem scheinbar "Puren", noch gänzlich Untheoretischen -- zu mißtrauen, etwa, weil es wohl so ist, daß z.B. meine Katze diverse Gegenstände aus der Umwelt farblich (und womöglich noch auf andere ... ehm ... Eigenschaften bezogen) ganz anders wahrnimmt als ich. D.h. doch wohl: Das Phänomen selbst -- also die "eigentliche Affektion" und deren Resultat (hier also die subjektive Farbwahrnehmung: der "Wie-es-ist-Zustand" Nagels) -- sind schon vortheoretisch, je bezogen auf diverse Rezipienten-Einheiten, verschieden. Heißt das nun, daß die vermeintliche "Quelle" der Affektion (also angeblich "die Realität") je diverse -- also nach Empfängern separierte -- "Affektionsarten" aussendet oder heißt das, die Affektion würde je divers "verarbeitet? Wir neigen natürlich Letzterem zu. Wohl zurecht!
109: Ein Phänomen (d.h. die subjektive Wahrnehmung, der "Wie-es-ist-Zustand" Nagels) ist das Ergebnis einer Affektion durch die Realität.
110: Die Wissenschaft legt nahe, dass affizierte Phänomene bei Menschen und Tieren verschieden sind, da die Affektionen je verschieden verarbeitet werden.
111: Die Unterschiedlichkeit der von Menschen und Tieren erfahrenen Phänomene zeigt, dass auf die Realität nicht direkt zugegriffen werden kann.
Aber worauf -- jetzt kommt das entscheidende Moment des Argumentes! -- basieren unsere wiss. Theorien über diese Phänomene? Greifen wir dabei (wie auch immer das gehen soll!) direkt auf die "Quelle" -- also die Realität -- zu oder auf das, was wir tatsächlich beobachten und damit auch einer Analyse, die der Erkenntnis hilfreich ist, zugänglich machen können?
---> Hier sagt nun Kant: Wenn wir uns nicht der sinnlichen Affektionen -- resp. ihres Resultates -- bedienen würden, hätten wir gar keinen Halt für eine verstandesmäßige Aufklärung
112: Menschen greifen nur auf das Beobachtete zu und nicht auf die Realität.
---> Hier sagt nun Kant: Wenn wir uns nicht der sinnlichen Affektionen -- resp. ihres Resultates -- bedienen würden, hätten wir gar keinen Halt für eine verstandesmäßige Aufklärung (also z.B. eine Theorie über das Phänomen), weil das Empirische ja anders gar nicht Erscheinung träte! Der Punkt ist hier: Was immer auch empirisch existieren mag -- um davon Kenntnis zu erlangen -- also auch darüber theoretisieren zu können --, erfordert notwendig, davon tangiert zu werden. Das ist kein esse est percipi a la Berkeley [...], sondern die Einsicht Kants, daß es ohne Affektion keine Erkenntnis über empirische Sachverhalte gibt.
113: Empirik erfordert sinnliche Affektion [durch die Realität].
Und nun der Schluß: Wenn also zwingend affiziert werden muß, damit empirisch überhaupt "etwas für mich ist", so kommt der Affektion eine zentrale Rolle im Erkenntnisspiel zu.
114: Der Affektion kommt eine zentrale Rolle im Erkenntnisspiel zu.
Der Rest ist einfach: Die vermittelnde Rolle der Affektion -- also sozusagen des Bindegliedes zwischen Dassb und "Rezeptor" (hier im mehrfachen Sinn, also sowohl bezüglich des nervösen Gerödels [...] als auch hinsichtlich eines rezipierenden Subjektes) -- läßt es zwingend erscheinen, daß dabei das Dassb nicht so im Rezeptionsmechanismus erscheint, wie es "an sich ist" (was immer das jetzt auch heißen soll ...).
115: Die Affektion ist das Bindeglied zwischen Realität und dem rezipierenden Subjekt.
116: Aufgrund der vermittelnden Rolle der Affektion können die Sinneserscheinungen nicht so sein, wie die Realität an sich ist.
Das Problem der Affektion (als Transformationsprozeß) tritt folglich erst genau dort auf den Plan, wenn wir uns einen Begriff von diesen Vorgängen machen (vulgo: wenn der Mensch darüber zu theoretisieren beginnt).
117: Das Problem der Affektion als Transformationsprozess entsteht erst, wenn Menschen zu theoretisieren beginnen.
Und was bedeutet das? -- Natürlich, daß jene Begriffe und Theorien, mit denen wir das uns je Interessierende -- also etwa Farbensehen -- beschreiben und erklären, erstens immer nur Partikel des unendlich GroßenGanzen zu greifen kriegen
118: Begriffe und Theorien erfassen immer nur Partikel des unendlich großen Ganzen.
und daß wir zweitens (wegen des unumgänglichen symbolischen Prozederes dabei) auf Distinktionen und Differenzierungen notwendig angewiesen sind (das ist sozusagen der semiotische Tribut, den wir dabei zu entrichten haben), ohne daß ersichtlich wäre, welchen realen -- also empirischen -- background diese Differenzen haben könnten. Denn das wuselige Ganze der Realität eröffnet -- ohne Symbolik -- nicht einen Millimeter Differenzierungsspielraum (außer jener [Fundamental-]Differenz, die Bedingung der Möglichkeit von Bewegung ist), wie er freilich im Gegensatz dazu für die Welt geradezu conditio sine qua non ist.
119: Begriffe und Theorien erfordern den Einsatz von Symbolen, um die notwendigen Differenzierungen darstellen zu können, ohne dass ersichtlich wäre, welchen realen, also empirischen, Hintergrund diese Differenzierungen haben könnten.
120: Erst die Symbolik eröffnet den notwendigen Differenzierungsspielraum für die Welt.
Damit ist das Ableitungsschema komplett: Das, was also die vieldiskutierten "Erscheinungen" bewirkt, die dann -- zusammen mit anderen Konstituen -- die Wirklichkeit form(at)ieren, sind allein die spezifischen Rezeptionsbedingungen einiger Weltbewohner hinsichtlich bestimmter Umweltgegenstände, genauer: es geht dabei ausschließlich um Lebewesen, die über Bw verfügen und denen also folglich überhaupt erst "etwas erscheinen kann" (womit dann auch sofort das Problem der Affektion überhaupt erst virulent wird).
121: Spezifische Rezeptionsbedingungen bewusstseinsfähiger Lebewesen hinsichtlich bestimmter Umweltgegenstände bewirken [Sinnes]Erscheinungen.
122: Zusammen mit weiteren Konstituenten formen diese Erscheinungen die Wirklichkeit.
123: Dafür, dass "etwas erscheinen kann", ist Bewusstsein notwendig.
es geht dabei ausschließlich um Lebewesen, die über Bw verfügen und denen also folglich überhaupt erst "etwas erscheinen kann" (womit dann auch sofort das Problem der Affektion überhaupt erst virulent wird).
124: Die Affektion von Erscheinungen in bewusstseinsfähigen Lebewesen entsteht zusammen mit diesen Lebewesen.
Würde man die [Affektion] in einem Gedankenexperiment hypothetisch ausklammern und in einem somit freilich paradoxen Verfahren einen einsamen Beobachter in das dann lediglich noch vorhandene unablässige Realitätsgewusel setzen, käme zweifellos heraus, daß so etwas wie 'Gegenstand' usw. überhaupt nichts "Reales" wäre, also im Sinn empirischer Existenz!
125: Gegenstände im Sinne von empirischer Existenz gibt es nur in der Wirklichkeit, nicht jedoch in der Realität.
Der zentrale Punkt des Argumentes ist also folgender: Wenn wir nw-liche Theorien über die Welt bilden, bedienen wir uns zwangsläufig (anders geht es nicht) eines Gegenstands-Konzeptes. Oder anders formuliert: Wir konstituieren Objekte; sicher angeleitet und "vorformatiert" von den Erscheinungen, die ja oft Objektcharakter haben. D.h. einmal sehr primitiv (und bildlich) formuliert (bitte nicht wörtlich nehmen): Wir separieren in dem unendlichen komplexen Brei der Realität
126: Menschen und bewusstseinsfähige Tiere konstituieren auf der Grundlage von [Sinnes]Erscheinungen Objekte bzw. Gegenstände, indem sie bestimmte Zusammenhänge aus dem komplexen Brei der Realität separieren.
bestimmte Zusammenhänge (chem.-phys. determiniert/strukturiert und kausal miteinander verwoben in der Bewegung und Transformation); i.d.R. solche, die auf uns wirken (also unsere Umwelt bilden und damit Affektoren darstellen) und damit (für uns) Bedeutung zu entfalten vermögen.
127: Diese Zusammenhänge wirken auf diese Lebewesen, bilden ihre Umwelt, stellen damit Affektoren dar und gewinnen so für diese Lebewesen Bedeutung.
Diese Bedeutung äußert sich bei bw-fähigen Tieren und Menschen in Verhalten, das Instinktmustern folgt -- und ergo entsprechende Freiheitsgrade im Verhaltens-Ablauf impliziert (also ohne reine physikalisch-biochemische Determination) -- und dann nochmal speziell beim Menschen auch in Handlungen, also zielgerichteten Weltinterventionen.
128: Diese Bedeutung äußert sich sowohl bei bewusstseinsfähigen Tieren als auch bei Menschen in instinktivem Verhalten und bei Menschen darüber hinaus in Handlungen, also zielgerichteten Weltinterventionen.
129: Das Verhalten bei Tieren und Menschen impliziert Freiheitsgrade und ist nicht physikalisch-biochemisch determiniert.
Daß allerdings das Gegenstandsbewußtsein unter den Auspizien der symbolischen Tätigkeit eine neue Dimension erfährt, muß hier ganz außer Frage stehen. Und dann muß es auch niemanden mehr verwundern, wenn Kant in der erkenntnistheoretischen Dimension dieser Sachlage sein Affektionskonzept so durchführt, wie er's durchführt. Denn natürlich wäre eine bloße Gegenstandskonstitution -- sei sie nun "Erscheinung" oder real determiniert -- der reine Nonsense, wäre da nicht auch eine Beziehung zwischen all den Gegenständen der Wahrnehmung und auch der Erkenntnis vorhanden! Wir erkennen unsere Welt also als einen Sinnzusammenhang
130: Menschen erkennen die Welt als Sinnzusammenhang zwischen den konstituieren Gegenständen der Wahrnehmung.
---> es zeigt sich folglich, daß wir -- sowohl in wiss. wie auch profanen Kontexten -- nicht "die Dinge an sich" ausmessen und analysieren, sondern "die Dinge, wie wir sie auffassen", also als Weltgegenstände. Dabei kann es sich sowohl um durch Sinnlichkeit vermittelte Gegenstände handeln als auch um solche, die bereits sprachlich-symbolisch ausgelegt sind (daß alle wiss. Objekte letzteren Typus' entspringen dürfte ja wohl klar sein, sonst wären sie ersichtlicherweise niemals theoriegetränkt)!
131: Menschen analysieren nicht "Dinge an sich", sondern "Dinge, wie sie sie auffassen", letztere somit als Weltgegenstände, die sowohl durch Sinnlichkeit konstituiert als auch sprachlich-symbolisch geformt sein können.
Um mein Gegenargument nochmals zusammenzufassen: Wenn ein I-Phone (oder sonstige -- auch alle experimental-wissenschaftlichen -- Apparatur[en]) irgendetwas detektiert und das dann (mechanisch oder elektronisch etc.) auswertet wird, so wird niemals "das Ding an sich" (Realität) ausgewertet, sondern immer ein Objekt der Wirklichkeit. Und das heißt: Es wird dann ein Weltgegenstand analysiert/bewertet usw., der stets schon symbolisch vermittelt ist, sei's durch wiss. Theorie, sei's durch den Alltagsverstand.
132: Wenn eine Apparatur etwas detektiert, analysiert und auswertet, wird niemals die Realität ausgewertet, sondern immer ein "Objekt der Wirklichkeit", das als Weltgegenstand aufgefasst werden muss. Dieser Weltgegenstand ist stets schon symbolisch vermittelt, sei es durch Wissenschaft oder durch den Alltagsverstand.
Ein direkter Zugang zur Realität ist ergo unmöglich, weil die Erkenntnis (!) bzw. die wiss. Analyse ohne die sprachlich-symbolische Anreicherung unmöglich ist (etwas erkennen heißt ja: sagen können, wie und ggf. auch was es ist; wozu im Profanen mindestens primitive Symbolik, im wiss. Procedere aber eben sogar Theorie erforderlich ist!).
133: Wissenschaftliche Unternehmungen können nicht direkt auf die Realität zugreifen, da wissenschaftliches Arbeiten ohne Verwenden von Sprache und Symbolen unmöglich ist.
134: Etwas erkennen heißt für Menschen sagen zu können, wie oder was es ist, wozu im Alltag mindestens primitive Symbolik, im Wissenschaftlichen auch noch Theorie erforderlich ist.
Wir müssen womöglich sogar davon ausgehen, daß unsere (sinnliche) Wahrnehmung bereits von diesen Dingen präformiert ist, denn wir wissen, daß Wahrnehmungsvorgänge u.a. kulturell beeinflußt sind (ein Inuit nimmt eine große Fläche voller Schnee ganz anders wahr als etwa ein Südseeinsulaner) bzw. von Lebensräumen mitbestimmt werden. Es steht also zumindest dahin, ob nicht sogar unsere "nackte Wahrnehmung" (also die rein sinnlichkeitsvermittelte Rezeption) schon symbolisch überformt ist bzw. von nicht-materiellen Vorgängen mitbestimmt wird, also etwa solchen, die linguistische Relevanz haben, wenn wir bspw. an vielleicht vorhandene genetische Präformationen hinsichtlich grammatischer Kompetenz denken.
135: Die menschlichen sinnlichen Wahrnehmungen könnten sogar kulturell präformiert sein.
Wir agieren erkennend stets vermittels der symbolischen Formen (bzw. ihrer natürlichen Vorformen, die sich zum Beispiel im Instinktverhalten der bewußtseinsfähigen Tiere anzeigen). Diese und die Materie organisieren die Welt. Und das, was darin statthat, ist die Wirklichkeit
136: Bewusstseinsfähige Lebewesen agieren erkennend stets vermittels der symbolischen Formen und ihrer natürlichen Vorformen, die sich im Instinktverhalten anzeigen.
137: Die symbolischen Formen nebst ihrer Vorläufer sowie die Materie organisieren die Welt.
138: Was in der Welt "statthat", ist die Wirklichkeit.
und folglich ist 'Wirklichkeit' ohne symbolische Präformation nicht zu haben -- und deshalb ist es sinnvoll, 'Wirklichkeit' von 'Realität' zu scheiden, denn letztere ist natürlich nicht symbolisch organisiert, jedenfalls besteht dafür kein Anhalt in einer entsprechend von Kompetenz angeleiteten Betrachtung.
139: Wirklichkeit ist im Gegensatz zu Realität symbolisch organisiert.
[Zum Einwand, dass ein Affe, der von Ast zu Ast springe, anscheinend keine Symbole brauchte, um die Äste zu treffen,] s.o. Das vielstrapazierte Affenbeispiel taugt nicht, zu was es vorgeblich taugen soll. Denn einen "Realitätszugriff" kann man damit keineswegs begründen, weil ein Wirklichkeitskonzept, wie oben angedeutet, dem Affen das Überleben natürlich sichert, soweit er in der Lage ist, seine instinktive Ausstattung zu nutzen.
140: Ein Affe kann einen Sturz vom Baumast aufgrund seines über Sinneserscheinungen vermittelten Instinktverhaltens vermeiden.
Du solltest zum Behuf dieses Argumentes einfach mal näher anschauen, was eine von sinnlichen Affektionen evozierte Erscheinung eigentlich ist (denn freilich ist ein Baumast nur eine Erscheinung -- was sollte denn bitteschön ein "realer Baumast" sein (real gibt da nur die materiale Grundlage dessen [was immer das auch sei], was physikalisch-biochem. das entsprechende Teilchen-/Wellen- und Molekülgewusel repräsentiert!), nämlich nichts irgendwie Gespenstisches, sondern eben z.B. ein handfester Weltgegenstand.
141: Ein Baumast ist nur eine Erscheinung, real gibt da nur die materiale Grundlage dessen, was das entsprechende Teilchen-, Wellen- und Molekülgewusel repräsentiert.
142: Eine Erscheinung ist nichts Gespenstisches, sondern ein handfester Weltgegenstand.
Du scheinst das Bewußtseinsdatum mit dem empirischen Zusammenhang in der Realität zu verwechseln. Und sich danach verhaltensmäßig zu richten langt einem Affen, zu überleben und somit auch seine Erbinformatioonen im Prozeß der Evolution weiterzugeben.
143: Das Bewußtseinsdatum darf nicht mit dem empirischen Zusammenhang in der Realität zu verwechselt werden.
144: Damit der Affe überleben und seine Erbinformationen im Prozess der Evolution weiterzugeben kann, reicht es, dass er sich nach dem empirischen Zusammenhang in der Realität richtet.
Und Ende Gelände!
145: Und Ende Gelände!